Jüngste Zloty-Gewinne stehen auf wackeligen Beinen

Nachdem sich Euro-Zloty in den vergangenen Monaten in einer Range zwischen rund 4,3500 PLN und 4,4500 PLN eingependelt hatte, geriet die Gemeinschaftswährung Anfang August unter deutlichen Abgabedruck und fiel hierbei jüngst auf den niedrigsten Stand seit Anfang April 2016. Der Auslöser für diese Abwärtsbewegung ist auf polnischer Seite zu suchen. Konkret war es die Bekanntgabe, dass die polnische Regierung, anders als bislang erwartet, auf einen Zwangsumtausch der ausstehenden Frankenkredite verzichten wird. Stattdessen sollen Anreize gesetzt werden, damit die Geschäftsbanken einen möglichst großen Teil dieser Fremdwährungshypotheken quasi freiwillig umwandeln.

Wenngleich wir der polnischen Landeswährung die aktuelle Erholung gönnen, so dürfte sie unserer Ansicht nach nicht von Dauer sein. Vielmehr sollten bald wieder andere Größen das Ruder übernehmen und dafür sorgen, dass der Gegenwind für den Zloty bereits auf Sicht von drei Monaten zunehmen wird. Anlass für diese Einschätzung geben uns die sich durch das Brexit-Votum eingetrübten Wachstumsaussichten der E(W)U, welche sich bereits in den kommenden Quartalen zeigen sollten. Angesichts der engen wirtschaftlichen Verflechtungen Polens mit der EU dürfte sich dann auch die Wirtschaft des größten CE3-Landes einem stärkeren konjunkturellen Gegenwind ausgesetzt sehen. Hierbei sollte man sich nicht von den jüngsten, mit einem Plus von 3,1% (J/J) im zweiten Quartal weiterhin robust ausgefallenen polnischen BIP-Daten blenden lassen. Vielmehr gilt es zu beachten, dass diese Wachstumszahlen die möglichen Risiken des EU-Leave-Votums der Briten für die E(W)U-Wirtschaft und damit auch die für die polnische Wirtschaft noch nicht enthalten und daher nur eine begrenzte Aussagekraft besitzen.

Von weitaus größerem Interesse sollten die nun allmählich zur Bekanntgabe anstehenden diversen Fundamentaldaten für Juli sein, wobei hier erste Anzeichen einer allmählichen Eintrübung in den entsprechenden Stimmungsindikatoren zu finden sein sollten. Muss sich die polnische Wirtschaft mittelfristig mit niedrigeren Wachstumsraten begnügen, dürfte sich auch die Deflation hartnäckiger halten als bislang angenommen. In diesem Umfeld sollten auf Jahressicht in Polen Leitzinserhöhungserwartungen kein Thema mehr sein. Anders hingegen in den USA. Hier könnten in diesem Zeithorizont durchaus marktseitig entsprechende Erwartungen wieder verstärkt die Runde machen und zu einem weltweit verhalteneren EM-Sentiment beitragen, welchem sich dann auch der Zloty nicht wird entziehen können.

 

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *