Das Ende der Globalisierung?

Das Wachstum der Weltwirtschaft verläuft schon seit einigen Jahren enttäuschend – und es schwächt sich weiter ab. Im laufenden Jahr dürfte die globale Wachstumsrate lediglich bei 2,7 Prozent liegen, das ist die niedrigste Rate seit dem Krisenjahr 2009.

Einer der wichtigsten Gründe für das schleppende Wachstumstempo liegt in der Investitionszurückhaltung der Unternehmen, besonders in den Industrieländern. In den Vereinigten Staaten sind die Ausgaben der Unternehmen für neue Anlagen und Maschinen aktuell sogar seit drei Quartalen rückläufig, auch in den anderen wichtigen Wirtschaftsnationen halten sich die Firmen mit ihren Investitionen schon länger auffällig zurück.

Als mögliche Gründe für die schwächelnde Investitionstätigkeit werden häufig pessimistische Absatzerwartungen, eine restriktive Kreditvergabe durch die Banken oder die gestiegene globale Unsicherheit genannt. Aus unserer Sicht gibt es noch eine weitere Ursache für die enttäuschende Investitionsentwicklung: Der schon seit einigen Jahren merklich nachlassende Globalisierungstrend in der Weltwirtschaft.

Ablesen lässt sich die Trendwende in der Globalisierung nicht nur an der Abschwächung des Welthandels, sondern auch am rückläufigen Trend der Direktinvestitionen, die auch als „Träger der Globalisierung“ bezeichnet werden können. Auf diese Weise lässt sich nicht nur die auffällige Investitionsschwäche erklären, sondern auch die Konzentration der Konjunktur auf die Binnennachfrage, die wir in fast allen wichtigen Ländern beobachten. Der enttäuschende Produktivitätstrend der letzten Jahre – ebenfalls ein fast weltweit zu beobachtendes Phänomen – dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Vorteile, die beispielsweise noch in den 90er Jahren aus der Internationalisierung von Produktions- und Absatzbeziehungen gezogen werden konnten, nunmehr kaum noch ins Gewicht fallen.

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Ein Kommentar

Was wir im Bereich der internationalen Arbeitsteilung sehen, findet im politischen Bereich seinen Niederschlag. Dies ist ein interessanter und mit Blick auf den Nationalismus bedrückender Zusammenhang.

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