Opportunistische Geldpolitik

Es tut sich was im Zentralbankenlager. Wir hatten bereits vor einiger Zeit geschrieben, dass die Zeit der Zinssenkungen wohl vorbei ist und weitere Lockerungen durch die Ausweitung quantitativer Maßnahmen erfolgen dürften. Seitdem ist die Kritik an den negativen Zinsen der EZB auch deutlich lauter geworden. Bei dem heute startenden Treffen der Zentralbanken in Jackson Hole, USA, geht es nun großteils um diesen Themenkomplex.

Nun kann man sich fragen, was die Treiber der Notenbankpolitik sind. Nach der ursprünglichen Lehre sollte die Steuerung der Geldpolitik eine positive Korrelation mit dem nominalen Wachstums aufweisen – also etwa reales Wachstum plus Inflation. Dabei sollte gelten: Je niedriger das nominale Wachstum, desto lockerer die Geldpolitik. Dabei kann die Geldpolitik sowohl durch Leitzinspolitik, als auch durch quantitative Maßnahmen gesteuert werden.

Diese einfache Regel haben wir in der obigen Grafik abgebildet. Für die USA ergibt sich, dass die US-Notenbank in den letzten Jahren die Geldpolitik hauptsächlich auf das schwache BIP-Wachstum abstellte, während die Inflationsentwicklung eigentlich keine Rolle gespielt hat. Die Zinswende in 2015 lässt sich damit ebenso erklären, wie auch das zuletzt zögerliche Verhalten. Das Wachstum ist schlicht nicht robust genug für einen nachhaltigen Zinsanhebungszyklus. Insgesamt erscheint aber die US-Geldpolitik in den letzten Jahren nur wenig regelgesteuert. Entsprechend groß sind die Unsicherheiten bezüglich der weiteren US-Notenbankpolitik. Wir erwarten hier keine nachhaltige Zinswende.

FedundEZB1

Bei der EZB haben wir zusätzlich zum nominalen Wachstum die kumulierte Renditedifferenz der Euroländer (ohne Griechenland und Portugal) zu den Renditen von Bundesanleihen in der Grafik abgebildet, um den Stress im Euroraum darzustellen.

 

FedundEZB2

Die EZB hat im Gegensatz zur US-Notenbank ein klares Inflationsmandat, die Geldpolitik sollte also allein auf die Inflation ausgerichtet sein. In der Grafik ist aber gut zu erkennen, dass die Entwicklung der Renditedifferenzen einen wichtigen Einfluss auf die Geldpolitik der EZB gehabt hat, insbesondere bis 2012. Danach ist die Inflation deutlich gefallen, was bei der EZB zu einem hektischen Implementieren verschiedener Maßnahmen geführt hat, die die Geldpolitik deutlich gelockert haben. Die rückläufige Inflation ist aber großteils den gefallenen Rohölpreisen und einer nachlassenden Globalisierungsdynamik geschuldet. Beides sind Faktoren, die die EZB nicht direkt beeinflussen kann. Allenfalls deflationäre Zweitrundeffekte kann man mit dieser Geldpolitik dämpfen.

Kann die EZB mit einer steigenden Inflation die Geldpolitik normalisieren? Wohl kaum. Die Strukturdefizite der Euroländer haben sich in den letzten Jahren teilweise noch weiter vergrößert, oder sind zumindest kaum geworden. Somit besteht die große Gefahr, dass die Renditedifferenzen wieder deutlich ansteigen, wenn die EZB die quantitativen Maßnahmen zurücknehmen würde. Somit scheint die EZB im aktuellen geldpolitischen Regime gefangen, bis sie erkennt, dass man die Staaten nicht zu Strukturreformen überreden kann, wenn man ihnen das Leben leichter macht. Wobei man hier natürlich einschieben muss, dass die Reaktion der EZB in 2012 notwendig war um den Euroraum zu erhalten. Somit sollte die Geldpolitik im Euroraum noch einige Zeit sehr locker bleiben oder sogar noch expansiver werden, wenn auch nicht durch weitere Zinssenkungen.

 

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 3.38

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *