US-Arbeitsmarkt: Nur moderates Stellenplus, weiter kaum Lohndynamik

Im August ist die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft nur um 151.000 Personen gestiegen, dies zeigt der heute veröffentlichte offizielle Bericht zum US-Arbeitsmarkt (BLS). Allerdings wurde das kräftige Stellenwachstum vom Vormonat nach oben revidiert, so dass im dritten Quartal im bisherigen Durchschnitt eine monatliche Steigerung um 213.000 Personen zu Buche steht. Damit deutet sich bereits jetzt für das laufende Quartal eine bessere Beschäftigungsbilanz als für das zweite Quartal an. Dies ist insofern bemerkenswert, da sich zuletzt auf Quartalsbasis ja eher eine rückläufige Beschäftigungsdynamik abgezeichnet hatte. Aber allein in den zwei Monaten Juli und August sind bereits 426.000 neue Arbeitsplätze entstanden, im gesamten zweiten Quartal waren es hingegen nur knapp 440.000. Bei diesem Vergleich sollte allerdings berücksichtigt werden, dass es im Frühjahr streikbedingt in der Arbeitsmarktstatistik zu Verzerrungen kam. Die aktuelle Beschäftigungsdynamik muss aber auch nicht den Vergleich mit dem Vorjahresquartal scheuen. Denn, selbst wenn im September ein ähnlich verhaltener Stellenaufbau wie im August stattfinden sollte, würde bereits der Anstieg vom Vorjahresquartal erreicht werden. In Anbetracht eines recht weit fortgeschrittenen Konjunkturprozesses läuft der Jobmotor in den USA also immer noch recht rund.

Zugegebenermaßen hilft in diesem Jahr wohl auch die Tatsache, dass im November noch Kongress- und Präsidentschaftswahlen auf dem Kalender stehen. Seit April hat sich die Zahl der im öffentlichen Sektor Beschäftigten um 130.000 Personen erhöht. Damit kann die wohl auch im weiteren Jahresverlauf schwach bleibende Bilanz des güterproduzierenden Sektors kompensiert werden. Nach einer leicht positiven Bilanz für das Jahr 2015 ist bei den Güterproduzenten die Beschäftigtenzahl von Januar bis August diesen Jahres um 100.000 Personen reduziert worden. Wir hatten zumindest bei den Baubetrieben mit Beschäftigungsaufbau gerechnet. Vor dem Hintergrund der kräftigen Bautätigkeit im Bereich Wohnen ist die verhaltene Entwicklung bei der Beschäftigung schon etwas überraschend.

Dass die Arbeitslosenquote im jüngsten Berichtsmonat erneut unverändert bei 4,9 Prozent notierte, ist angesichts des eher verhaltenen Stellenaufbaus nicht wirklich verwunderlich. Dennoch ist zu beachten, dass auch im August eine große Zahl an Rückkehrern die Arbeitslosenzahlen beeinflusst hat. Dies schlägt sich vor allem darin nieder, dass nur die Zahl der kurzzeitig Arbeitslosen gestiegen ist, also die Zahl der Personen, die seit weniger als 14 Wochen eine Beschäftigung suchen. Die Zahl der schon länger arbeitslosen Personen war rückläufig. Der Sockel der so gefährlichen, strukturellen Arbeitslosigkeit wird damit weiter abgetragen.

Der anhaltende Strom an Rückkehrern hat wohl auch Einfluss auf die unverändert schwache Lohndynamik genommen. Genauer gesagt: Der Abbau der stillen Reserve hat auch im August eine sichtbare Lohnsteigerung gegenüber dem Vormonat verhindert. Die Fed-Oberen werden dies sicher bei ihrer nächsten Entscheidung berücksichtigen. Ebenso wie den jüngsten deutlichen Anstieg beim Conference Board Verbrauchervertrauen, dem allerdings eine deutliche Stimmungseintrübung in der Industrie gegenüber steht. Eine weitere Straffung der Geldpolitik noch in diesem Monat ist deshalb wohl eher unwahrscheinlich.

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