Wenn die Falle zuschnappt

Am Freitag letzter Woche ist der S&P 500 um 2,5% gefallen, der stärkste Rückgang seit der überraschenden Brexit Entscheidung in Großbritannien. Der Grund für den starken Rückgang liegt in zunehmenden Zinssorgen der Investoren. So gab es einige Kommentare der Mitglieder der Fed, die darauf hindeuten, dass die US amerikanische Notenbank sich ernsthaft Gedanken macht, ob man noch in diesem Jahr die Zinsen um 25 Basispunkte anheben soll. Auch die europäischen Aktienmärkte haben sich negativ entwickelt, nachdem die EZB am Donnerstag nicht wie erwartet eine Aufstockung des Anleihekaufprogramms angekündigt hat.

Die Reaktion der Aktienmärkte zeigt deutlich, in welche große Liquiditätsfalle sich die Notenbanken hineinmanövriert haben. Die Aktien- und Anleihemärkte sind in den letzten Jahren aufgrund der Notenbankpolitik kräftig gestiegen, ohne das es hierfür eine fundamentale Untermauerung gibt. Entsprechend nervös reagieren die Finanzmärkte, wenn sich in der generellen Notenbankpolitik eine Änderung abzeichnet, oder sich nur der Verdacht für eine solche Änderung erhärtet.

Das Problem für die Notenbanken ist dabei, dass die ergriffenen Maßnahmen zunehmend ins Leere gehen. Die Dynamik der Weltwirtschaft wird durch einen nachlassenden Globalisierungstrend gedämpft (siehe auch: https://bielmeiersblog.dzbank.de/2016/08/24/das-ende-der-globalisierung). Außerdem hat sich zuletzt gezeigt, dass das aktuelle monetäre Umfeld den Bankensektor stresst und damit einen wichtigen Transmissionskanal der Geldpolitik schwächt.

Ein weiter so, wie bisher bringt also konjunkturell keine großen Vorteile, dafür aber immer größere Verwerfungen an den Finanzmärkten. Ein schnelles Umsteuern der Notenbanken führt wahrscheinlich in eine globale Rezession. Was also tun?

Wie bereits beschrieben, dürften die Notenbanken die Zinsen nicht mehr senken, bzw. die Fed diese perspektivisch tatsächlich leicht anheben (siehe auch: https://bielmeiersblog.dzbank.de/2016/08/05/zinssenkung-war-gestern-heute-ist-liquiditaetssteuerung/). Gleichzeitig wird man versuchen, mögliche negative Auswirkungen durch weitere QE-Programme zu dämpfen. Die Staaten könnten die Staatsausgaben steigern um mit fiskalpolitischen Maßnahmen die negativen Folgen einer sehr langsamen Normalisierung der Geldpolitik zu mindern.

Ich halte dieses Vorgehen zwar für falsch, da es die zwingend kommende Anpassungsreaktion an eine Normalisierung der Geld- und Fiskalpolitik nur vergrößert, was das Risiko birgt, dass die Weltwirtschaft eine lang anhaltende Stagnation durchläuft. Aber es spricht viel dafür, dass in den kommenden Quartalen diese Politik umgesetzt wird.

Wenn man also diesen Annahmen folgt, sind solche Kursverluste, wie in den letzten Tagen, eigentlich eine Opportunitäten um in den Aktienmarkt zu investieren. Jedoch wird später definitiv der Zeitpunkt kommen, an den man sich von Aktien und Anleihen trennen sollte, aber an diesen Punkt sind wir aus meiner Sicht noch nicht angelangt.

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