Fiskalpolitik dürfte Aktien neuen Treibstoff liefern

Die Aktienmärkte befinden sich weiterhin im Spannungsfeld. Auf der einen Seite belasten konjunkturelle Sorgen einhergehend mit einer sehr schwachen Gewinnentwicklung sowie politische Unsicherheiten das Sentiment. Auf der anderen Seite behalten die Notenbanken ihren extrem expansiven geldpolitischen Kurs noch für längere Zeit bei und zementieren damit das günstige monetäre Umfeld. Der resultierende Anlagedruck vieler Investoren, der Liquiditätszuflüsse in risikoreichere Assets fördert, hat dazu geführt, dass die Aktienmärkte– trotz des herausfordernden Umfelds – merklich angestiegen sind. Weil jedoch die Notenbankpolitik der zurückliegenden Jahre mit einer Flut von Liquidität zwar stärkere Einbrüche der Wirtschaft abfedern konnte, es aber nicht vermochte, die europäische Wirtschaft zurück auf einen Weg mit soliden Wachstumsraten zu führen, konnten die Unternehmen des Euro Stoxx 50 auf Indexebene seit 2010 kein Gewinnwachstum aufweisen. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch für den DAX, wobei sich die Gewinne leicht dynamischer als beim Euro Stoxx 50 zeigten, aber auch hinter dem BIP-Wachstum zurückblieben. Dieses Zusammenspiel aus steigenden Kursen und stagnierenden Gewinnen prägt das Aktienbild nun schon seit geraumer Zeit und hat zu einem spürbaren Anstieg der Bewertungsparameter geführt.

In unserer bisherigen, vorsichtigen Prognose waren wir davon ausgegangen, dass sich dieser Trend nicht unendlich fortsetzen kann und deutliche weitere Kursavancen ohne entsprechendes Gewinnwachstum unwahrscheinlich sind, weil sich letzteres nicht allein mit Geldpolitik herbeiführen lässt. Nun sehen wir Anzeichen dafür, dass es zu einer Trendwende kommen könnte. Die Rufe nach einer deutlichen Ausweitung der staatlichen Fiskalprogramme werden nach unserer Beobachtung wesentlich lauter. Beispiele hierfür finden sich im Abschlusskommuniqué des G20-Gipfels, in Äußerungen von IWF-Chefin Lagarde und sogar in Verlautbarungen aus der deutschen Politik. Solche Rufe dürften nicht nur im Süden Europas auf offene Ohren treffen, sondern auch im Wahlkampf in Frankreich, Deutschland und den USA eine wichtige Rolle spielen.

Eine stärkere Betonung der Fiskalpolitik wäre für die Aktienmärkte eine sehr positive Nachricht. Sie hätte den großen Vorteil, dass es zu einer unmittelbaren Belebung der wirtschaftlichen Aktivität käme und folglich ein positiver Effekt auf das BIP-Wachstum zu verzeichnen wäre. Ein solch positiver Effekt würde die Bewertung der Aktienmärkte im Nachhinein rechtfertigen, da es mittelbar zu einer Ausweitung der Unternehmensgewinne käme. Durch eine deutliche Erhöhung der Fiskalausgaben würde folglich der Unterbau für die angestiegenen Kurse nachträglich untermauert. Vor diesem Hintergrund erscheinen höhere Wachstumsraten deutlich realistischer, als dies zuvor der Fall war. Die Aktienmärkte dürften diese positiven Impulse vorwegnehmen und die Bewertung dabei zeitweise die historischen Durchschnitte deutlich überschreiten. Mit höherer Visibilität bezüglich der fiskalischen Programme sowie deren Impulse für die Wirtschaft sollten die Gewinne darauf folgend in den kommenden Jahren wieder in die Bewertung hineinwachsen.

Die anhaltend expansive Geldpolitik unterstützt durch fiskalpolitische Impulse werden somit weiteren Treibstoff für die Börsenkurse liefern. Deshalb erwarten wir nun, dass DAX und Euro Stoxx 50 bis Ende 2017 auf 12.000 bzw. 3.450 Punkte ansteigen werden, was aktuell einem Potenzial von jeweils rund 12% entspricht.

 

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