Tschechische Notenbank bringt Aufgabe der Wechselkursuntergrenze Mitte 2017 ins Gespräch

Mit Blick auf die Verteidigung der Wechselkursuntergrenze in Euro-Krone bei 27,00 CZK befindet sich die tschechische Notenbank (CNB) in einer recht komfortablen Position. So muss sie, ihren jüngst veröffentlichten Interventionsdaten zufolge, nach wie vor nur sehr moderat am Devisenmarkt eingreifen. Die CNB zeichnet für den fundamentalen Ausblick Tschechiens ein freundliches Bild und hat die Aufgabe der Wechselkursuntergrenze für Mitte 2017 ins Gespräch gebracht. Unserer Ansicht nach überwiegt die Gefahr, dass sich die CNB damit letztendlich eher einen Bärendienst erweisen als einen Gefallen tun wird.

So gehen wir davon aus, dass die bedeutendsten Zentralbanken der Welt auf absehbare Zeit an ihrem ultra-lockeren geldpolitischen Kurs festhalten werden. Hebt die CNB in einem solchen Umfeld die Untergrenze von Euro-Krone auf, dürfte die Krone nicht nur in einer ersten Reaktion, sondern über eine längere Zeit hinweg deutlich aufwerten. Denn es ist davon auszugehen, dass der Markt einen solchen Schritt als Vorstufe für erste Leitzinsanhebungen betrachten wird. Selbst wenn diese, wie zu erwarten wäre, nur sehr moderat und von einem extrem niedrigen Niveau aus erfolgen würden, wären sie allerdings von großer symbolischer Bedeutung, würde die CNB doch dann als einzige, ohne Aussicht darauf zeitnah Gefährten zu finden, geldpolitisch auf beinahe schon verloren geglaubten Pfaden wandeln. Mögliche Folgen einer nachhaltig aufwertenden Krone wären eine deutliche Eintrübung der fundamentalen Aussichten Tschechiens. Die CNB hätte damit nichts gewonnen, müsste sie doch dann zum Leidwesen ihrer Glaubwürdigkeit die Krone in letzter Konsequenz erneut in ihre künstlichen Schranken weisen. Zudem schließen wir nicht aus, dass die CNB die weitere fundamentale Entwicklung Tschechiens zu optimistisch einschätzt. Sollte sich, wie von uns prognostiziert, das fundamentale Bild Tschechiens in den kommenden Quartalen entgegen den bisherigen Erwartungen der CNB allmählich einzutrüben beginnen, ist davon auszugehen, dass sie im Laufe der Zeit von ihrem Plan, die Wechselkursuntergrenze Mitte nächsten Jahres aufzugeben, abrücken wird.

Unserer Ansicht nach wäre die CNB daher gut beraten, sich mit ihrer Ankündigung nicht allzu weit aus dem Fenster zu lehnen und stattdessen erst einmal abzuwarten, was die Zeit bringt. So befindet sie sich doch mit Blick auf wichtige Kennzahlen in der seltenen, komfortablen Lage, die Krone auch noch länger an der kurzen Leine zu halten. Diesen Spielraum sollte sie unserer Meinung nach nutzen, könnte sie doch mit einer besonnenen Vorgehensweise nicht nur ihre Glaubwürdigkeit nachhaltig festigen. Vielmehr sollte es ihr auch die Krone langfristig mit entsprechenden Kursgewinnen zur rechten Zeit danken.

 

 

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