Preisrallye der Industriemetalle (leider) kein Indikator für globalen Konjunkturaufschwung

Die Preisbewegungen der von uns beobachteten Industriemetalle fielen im bisherigen Jahresverlauf ungewöhnlich heterogen aus. Zink beispielsweise ist mit einem Anstieg von 42% der größte Gewinner im Bloomberg Commodity Index (kurz: BCOM). Ähnlich positiv entwickelte sich Nickel (+15%), das ebenfalls hauptsächlich zur Beschichtung von Stahl eingesetzt wird. Wegen der vorhandenen Risiken bezüglich der globalen wirtschaftlichen Entwicklung ist es zunächst überraschend, dass gerade zwei stark von der Konjunkturentwicklung abhängige Metalle eine solch positive Preisbewegung vollziehen.

Auf den zweiten Blick sieht man allerdings ein für Rohstoffe ganz typisches Preisverhalten, dessen Ursache auf die Veränderung der Angebot- und Nachfragedynamik zurückzuführen ist. Als Schlüsselgröße fungiert hier die Marktbalance, die sich entweder in einer Überschuss- oder Defizitsituation befinden kann. Die Verbrauchsentwicklung ist sowohl bei Nickel als auch Zink solide, den Preisanstieg alleine kann sie aber nicht erklären.

Dieser wird bei beiden Metallen nämlich maßgeblich durch die Angebotsseite beeinflusst. Aufgrund der stark gefallenen Nickel- und Zinkpreise in 2015 ist es zu diversen Minenschließungen gekommen. Diese veränderten die Marktdynamik dahingehend, dass sich erhebliche Markdefizite im ersten Halbjahr 2016 ausbilden konnten. So entstand beispielsweise bei Zink ein Defizit von 18.300 Tonnen, was in etwa 1,6% der globalen Nachfrage darstellt. Die Preise für Aluminium und Kupfer haben sich hingegen seit Jahresbeginn kaum verändert. Dies führen wir darauf zurück, dass es bei beiden Metallen zu keinen spürbaren Angebotsstörungen gekommen ist.

Der Preisanstieg einzelner Industriemetalle lässt sich also primär über die Angebotsseite erklären. Eine florierende Nachfrageentwicklung steckt jedenfalls nicht dahinter. Daher dienen die Industriemetalle unseres Erachtens aktuell nur sehr begrenzt als vorlaufender Konjunkturindikator. Bei den Industriemetallen beginnen sich aber die langfristigen Nachfrageperspektiven allmählich zu verbessern. Dahinter steckt aus unserer Sicht auch der politische Wille, verstärkt auf Fiskalprogramme als konjunkturelle Stütze zurückzugreifen. Gerade in China, dem mit deutlichem Abstand wichtigsten Metallverbraucher, kann die Auflage solcher Programme recht zügig den Nachfrageausblick aufhellen.

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