Bank of Japan mit angepasster Strategie

Die jüngste Sitzung der japanischen Notenbank war an den Finanzmärkten mit Spannung erwartet worden, hatte die BoJ doch eine umfassende Überprüfung ihrer geldpolitischen Strategie angekündigt. Herausgekommen ist eher eine Modifikation der bisherigen Vorgehensweise als eine grundsätzliche Neuausrichtung. Die größte Veränderung betrifft die Staatsanleiheankäufe. An die Stelle eines fest vorgegebenen Ankaufvolumens tritt das Ziel, die Zinsstrukturkurve an den Finanzmärkten zu steuern und dabei die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen auf dem aktuellen Niveau bei rund 0% zu verankern. Um die Entschlossenheit der Bank of Japan mit Blick auf das Erreichen des Inflationsziels zu verdeutlichen und damit den entsprechenden Erwartungen neuen Schwung zu verleihen, hat die Zentralbank zudem klargestellt, dass sie eine Teuerungsrate „stabil“ oberhalb von 2% (J/J) anstrebe.

Auf der Pressekonferenz hob Notenbankpräsident Kuroda hervor, dass dieses „neue Rahmenwerk“ eine stärkere Version der bisherigen Strategie darstelle. Zudem wiederholte Kuroda Aussagen, wonach die Zentralbank nicht zögern werde, zusätzliche expansive Maßnahmen zu ergriffen, sollten diese notwendig werden. Seiner Einschätzung zufolge habe die Geldpolitik ihre Grenzen noch nicht erreicht.

Die Bank of Japan setzt damit den in den vergangenen Monaten zu beobachtenden Kurs fort. So sieht die Notenbank nicht nur erneut von zusätzlichen Lockerungsschritten ab, sondern unternimmt zudem den Versuch, das heimisches Bankensystem vor Belastungen durch sehr niedrige Zinsen vor allem am langen Ende zu schützen. Die Steuerung der Inflationserwartungen war außerdem bereits im bisherigen Rahmenwerk zentraler Bestandteil der geldpolitischen Strategie. Gemessen an den Inflationsswaps liegen die langfristigen Erwartungen derzeit knapp über 0% (J/J). Wie die Neuformulierung des Inflationsziels hieran etwas ändern soll, dürfte das Geheimnis der Bank of Japan bleiben.

Der japanische Yen hat zwar kurzzeitig mit einer Abwertung auf die Ankündigungen der BoJ reagiert. Mittlerweile bewegt sich Euro-Yen allerdings wieder auf den zuvor zu beobachtenden Niveaus. Klar ist: Einen Grund für einen nachhaltig schwächeren Yen stellen die jüngsten Beschlüsse der Zentralbank nicht dar. Möglich erscheint vielmehr, dass die japanische Landeswährung zulegen könnte, sollte die Enttäuschung über die erneut vertane Chance zugunsten einer expansiveren Grundausrichtung die Oberhand gewinnen.

 

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