Australien im Strukturwandel – weg von Rohstoffexporten

Australien befindet sich in einem wirtschaftlichen Diversifizierungsprozess. Das Land ist weltweit wichtiger Lieferant von Eisenerz, Kohle, Bauxit und diversen Edelmetallen, aber auch von Flüssiggas und spürt nun das Ende des Superzyklus‘ und die stark gesunkenen Preise auf diesen Märkten. Eine Verlagerung der Schwerpunkte in seiner Produktionsstruktur ist also nötig, um sich von der Abhängigkeit von Rohstoffexporten zu befreien und um künftig ein hohes Wirtschaftswachstum beibehalten zu können. Schon seit 2013 gehen die Investitionen und die Beschäftigung in Australiens Rohstoffsektor zurück. Der konservative Premierminister Malcolm Turnbull will mit politischen Mitteln diesen Umstrukturierungsprozess beschleunigen.

Turnbull setzt bei der Umstrukturierung besonders auf kleinere Unternehmen. Herauszustellen sind dabei die Pläne, den Fremdenverkehr und tourismusnahe Dienstleistungen zu fördern, weil hier künftig sehr kräftig wachsende Einnahmen von Touristen aus China und aus anderen Ländern Asiens zu erwarten sind. Pläne zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur – auch mit Beteiligung von privaten Investoren – begleiten dieses Vorhaben. Hierzu gehören etwa neue Schnellstraßen und ein zweiter Flughafen für Sydney. Aber auch die Finanzbranche soll schneller wachsen. Hier sollen Start-ups unterstützt werden, die den Innovationsprozess im Fintech-Bereich beschleunigen. Australische Finanzprodukte sollen stärker in den Export eingehen. Schließlich hat Turnbull auch den Ausbildungssektor als Quelle für neues Wachstum ausgemacht. Die Hochschulen sollen für (zahlende) Studenten aus dem Ausland attraktiver werden. Zur Umstrukturierung gehört ferner auch eine Innovationsoffensive: Die Regierung will ganz allgemein technische Neuerungen und Unternehmergeist fördern, eine engere Zusammenarbeit von Universitäten mit der Wirtschaft erreichen und die Attraktivität technischer Schulfächer steigern.

So plausibel all diese Pläne auch sein mögen, so sind sie dennoch nicht unumstritten – denn sie kosten viel Geld. Vor allem das zunächst geplante Volumen von Steuersenkungen für die Unternehmen, die private Investitionen anregen sollen, ist auf Bedenken der Labor-Opposition gestoßen. Die nun beschlossene erste Stufe der Körperschaftsteuersenkung um nur einen Prozentpunkt erscheint zu gering, um wirklich nachhaltig die Investitionen anzukurbeln. Ob weitere Steuersenkungen folgen, ist wegen der knappen Regierungsmehrheit im Parlament sehr ungewiss. Auch die nun beschlossenen Kürzungen bei Renten und beim Kindergeld sowie der Wegfall einzelner Steuervergünstigungen für Familien, die Turnbulls Umstrukturierungsoffensive gegenfinanzieren sollen, haben Kritik ausgelöst. Dabei greift die genannte Innovationsoffensive ohnehin etwas kurz, da die Regierung hier letztlich „zu wenig Geld in die Hand nimmt“. Von konkreterem Nutzen scheint da der jüngste Abschluss diverser Freihandelsabkommen zu sein, auch und besonders mit China, was vor allem Australiens Agrarexporten hilft. Und: Australiens hohes Leistungsbilanzdefizit dürfte sich hierdurch verringern. Andererseits soll es ausländischen Investoren vermehrt gestattet werden, sich an Projekten in Australien zu beteiligen.

Trotz der Umstrukturierung hin zu einer breiter aufgestellten Wirtschaft bleibt am Ende dennoch die Befürchtung, dass Australien gerade wegen der starken Neuausrichtung seines Tourismussektors auf chinesische Besucher sich nicht wirklich wird lösen können vom starken Einfluss Chinas auf seine Wirtschaft. Allerdings dürfte die geringere Abhängigkeit von Rohstoffexporten den mittelfristigen Wachstumspfad Australiens positiv beeinflussen.

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