1.000 Mrd Euro und kaum Fortschritte – Geldmengenentwicklung und Kreditvergabe im Euroraum

Nach Zahlen, die die EZB heute veröffentlicht hat, wuchs die Geldmenge M3 im August mit einer Jahreswachstumsrate von 5,1 Prozent. Damit hat sich die Geldmengenentwicklung im Vergleich zum Juli leicht beschleunigt. Die Kreditvergabe der Geschäftsbanken im Euroraum kommt jedoch nicht recht voran. So verringerte sich das Jahreswachstum der Kundenkredite im August auf 3,7 Prozent nach 3,8 Prozent im Juli. Trotz des leichten Rückgangs klingt das auf den ersten Blick gar nicht so schlecht. Eine differenzierte Betrachtung verdeutlicht jedoch das Problem: Während die Kredite an öffentliche Haushalte um beachtliche 10,9 Prozent zulegten, fiel der Zuwachs bei den Ausleihungen an den privaten Sektor mit gerademal 1,5 Prozent bescheiden aus. Selbst eine von der EZB vorgenommene Bereinigung um Kreditverkäufe, Verbriefungen und fiktive Cash-Pooling-Aktivitäten ergibt einen nur wenig höheren Zuwachs der Buchkredite an den Privatsektor von 1,7 Prozent – das gleiche Wachstum wie bereits im Juli.

Die EZB zielt mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik u.a. darauf ab, dass das Kreditgeschäft der Banken Fahrt aufnimmt und so die Investitionstätigkeit in der Wirtschaft angekurbelt wird. Das will jedoch nicht so recht gelingen. Nicht nur dass die Wachstumsraten im Kreditgeschäft der Banken immer noch zu niedrig sind und derzeit kaum vom Fleck kommen. Die Wirkungen der Geldpolitik zeigen sich auch an der falschen Stelle: So sind die „Kredite“ an öffentliche Haushalte im Euroraum in Form von Schuldverschreibungen mit einer Zuwachsrate von 19,2 Prozent nahezu explodiert.

Die Ursachen der unzureichenden Kreditvergabe sind sehr unterschiedlich. Zum Teil profitieren die Unternehmen vom guten Cashflow, der es ihren erleichtert, Investitionen selbst zu finanzieren. Das gilt zwar vor allem für Deutschland. Der hohe Cashflow vieler Unternehmen spiegelt sich jedoch auch in der Struktur des Wachstums der Geldmenge M3 im Euroraum wider: So fiel die Jahreswachstumsrate bei den Einlagen der Unternehmen im August mit 7,1 Prozent höher aus als die bei den Einlagen privater Haushalte mit 5,1 Prozent. Während die Kreditvergabe in Deutschland an einer geringen Nachfrage der Unternehmen leidet, besteht das Problem in Italien und weiteren südeuropäischen Ländern auch auf der Angebotsseite. Hierbei spielt die Krise des Bankensektors mit seinem hohen Volumen „fauler Kredite“ eine entscheidende Rolle.

Die aktuelle Geldmengenentwicklung und Kreditvergabe im Euroraum verdeutlichen, dass die Geldpolitik der EZB bisher kaum die erhoffte Wirkung zeigt. Die Möglichkeiten, über die Kreditvergabe die Investitionstätigkeit der Wirtschaft schnell anzukurbeln, bleiben beschränkt. Der Schlüssel des Erfolgs liegt in einer Gesundung des Bankensektors, wirtschaftspolitischen Reformen und investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen.

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