Zurück in die Zukunft? Die OPEC will ihre Fördermenge wieder begrenzen

Im Rahmen ihres Informellen Meetings in Algier hat die OPEC gestern überraschenderweise die Absicht zur Kürzung ihrer Fördermenge auf 32,5-33,0 Mio. Barrel pro Tag (mbd) bekanntgegeben. Je nach Schätzquelle lag der Kartell-Output im zurückliegenden August bei 33,2-33,7 mbd. Überdies wurde die Rückkehr zum System fester Produktionsquoten in Aussicht gestellt. Bis zum nächsten OPEC-Treffen am 30. November in Wien soll ein ranghohes Komitee die jeweiligen Produktionsniveaus der 14 Mitgliedsstaaten ausverhandeln, auf Basis derer die OPEC dann in neuerliche Kooperations-Verhandlungen mit Russland einsteigen will. Frühestmöglicher Starttermin einer OPEC-Förderkürzung ist somit der kommende Dezember.

Da die meisten Marktteilnehmer aufgrund eines äußerst heterogenen „Zitate-Hagels“ im Vorfeld der Algier-Runde davon ausgegangen waren, dass die OPEC maximal eine – überdies weich formulierte – Produktionsbegrenzung in Höhe der aktuellen Output-Niveaus beschließen würde, kletterte der Brent-Rohölpreis infolge der unerwarteten Verlautbarung des „Kürzungs-Projektes“ um über 5% auf 49 USD.

Ohne die diplomatische Leistung der OPEC in Algier kleinreden zu wollen, gilt es jedoch zu beachten, dass es sich bisher lediglich um eine reine Absichtserklärung handelt, deren vielfältige Fallstricke im noch nicht fixierten Kleingedruckten liegen. Ungeklärte Fragen sind beispielsweise: Auf Basis welcher Produktionszahlen werden die Quoten bzw. die Kürzungsgrößenordnungen festgelegt? Wie lange soll die Produktionsbegrenzung anhalten? Gibt es etwaige Ausnahmeklauseln für Staaten mit Förderfriktionen (u.a. Libyen, Nigeria)? Tritt eine OPEC-Förderkürzung auch in Kraft, wenn Russland seine Teilnahme an einer konzertierten Förderreduktion verweigert?

Aus unserer Sicht hat die OPEC – zu einem taktisch sehr günstigen Zeitpunkt – ein politisches Lebenszeichen ihrer (möglichen) Marktrelevanz generiert. So drohte sich die Stimmung am Rohölmarkt inmitten der – i.d.R. von August bis Oktober andauernden – saisonalen Nachfrageschwäche gerade (preisbelastend) substanziell zu verschlechtern. Vor dem Hintergrund der „Algier-Ankündigung“ dürften sich die Spekulanten mit dem Aufbau von Short-Positionen am Terminmarkt – zumindest kurzfristig – nunmehr deutlich stärker zurückhalten. Ob die angekündigte OPEC-Initiative aber die Kraft hat, den Rohölpreis dauerhafter auf eine höhere Umlaufbahn zu bugsieren, wird sich zum einen erst in rund zwei Monaten in Wien entscheiden, wenn es bezüglich der Kürzungs-Details zum Schwur kommt. Zum anderen wird höchst bedeutsam sein, wie zügig die auf ihr Comeback wartende US-Schieferölindustrie ihre Förderung bei steigenden Preisen in den kommenden Monaten wieder hochfahren kann.

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