EWU-Inflationsrate steigt im September – Basiseffekt vom Ölpreis läuft aus

Im September ging es für die Inflationsrate im Währungsgebiet ein deutliches Stück nach oben. Sie stieg gemäß der Schnellschätzung von Eurostat deutlich von +0,2 Prozent auf +0,4 Prozent. Obwohl der Anstieg der Inflationsrate ganz im Sinne der EZB sein dürfte, zeigt ein Blick auf die einzelnen Unterkomponenten, dass die steigenden Verbraucherpreise kaum durch die extrem expansive Geldpolitik der Zentralbank angetrieben wurden. Vielmehr liegt es an den immer schwächer wirkenden negativen Auswirkungen der Preise für Energie und Energiegüter, die maßgeblich durch den lange Zeit niedrigen Ölpreis bestimmt wurden. Im September belief sich der Rückgang in der Unterkomponente Energie auf „nur noch“ auf -3,0 Prozent. Im Februar und März lag die Preisermäßigung bei Energie noch bei jeweils -8,7 Prozent. Der Preisauftrieb bei den anderen Gütern und Dienstleistungen bleibt dagegen allenfalls moderat, denn die Kernrate ohne die Bereiche Nahrungsmittel und Energie lag unverändert bei +0,8 Prozent.

Auf Länderebene zogen die Inflationsraten im September nach den vorläufigen Daten einheitlich an. In Deutschland nahm die Inflationsrate, gemessen am „Harmonisierten Verbraucherpreisindex“ (HVPI), von +0,3 Prozent auf +0,5 Prozent zu. In Frankreich stieg sie um 0,1 Prozentpunkte auf ebenfalls +0,5 Prozent. Die italienischen Güter und Dienstleistungen im Warenkorb der Konsumenten verteuerten sich binnen Jahresfrist um +0,1 Prozent. Und aus Spanien wurde das erste Mal seit über zwei Jahren mit +0,1 Prozent eine positive Inflationsrate gemeldet.

Wie geht es nun weiter? Die OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) hat sich jüngst auf eine Kürzung ihrer Fördermenge an Rohöl geeinigt. Kurzfristig zog daher die Notierung des Ölpreises der für Europa wichtigen Sorte Brent deutlich an. Schwenkt nun das Pendel in die andere Richtung und sorgt die geplante Verknappung von Rohöl nun für deutlich steigende Energiepreise und damit für ein Anziehen der Inflationsrate in Europa? Mit einem steigendem Ölpreis dürften aber Förderländer, die nicht der OPEC angehören, ihrerseits die Förderung erhöhen. Vor diesem Hintergrund rechnen wir weiterhin nur mit einem verhaltenen Ölpreisanstieg in den kommenden Monaten.

Unabhängig davon, die Inflationsrate in der EWU wird weiterhin maßgeblich von externen Faktoren wie dem Ölpreis bestimmt, und weniger von der Geldpolitik der EZB.

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