Japan: Tankan-Index verspricht keine rasche Konjunkturerholung

Das Geschäftsklima der japanischen Unternehmen hat sich im dritten Quartal 2016 nicht im erwarteten Ausmaß verbessert. Der „Tankan“ genannte Stimmungsindex der Bank von Japan zeigte auf der von -100 bis +100 reichenden Skala für die großen Industrieunternehmen weiterhin nur einen Wert von +6. Für die großen Unternehmen im Dienstleistungssektor sank er gar, allerdings von einem höheren Niveau aus, von 19 auf 18 Punkte. Betrachtet man alle Unternehmen aus allen Sektoren und aus allen Größenklassen, so verbesserte sich der Gesamt-Tankan nur um einen Punkt von 4 auf 5. Ende 2015 hatte er bei seinem letzten Zwischenhoch 9 Punkte erreicht.

In Japan gibt es dem neuen Tankan zufolge weiter ein Stimmungsgefälle in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße: Das Sentiment bei den Kleinunternehmen in der Industrie ist vorwiegend pessimistisch, es stieg im dritten Quartal nur von -5 auf nun -3, bei den Industriefirmen mittlerer Größe stieg es von 1 auf 3. Im Servicesektor ist die Stimmung dagegen insgesamt etwas besser als in der Industrie, aber auch hier ist sie abhängig von der Unternehmensgröße: Bei den Kleinbetrieben stieg sie geringfügig von 0 (neutral) auf +1, bei den mittleren Unternehmen von 14 auf jetzt 15. Trotz dieser Verbesserungen bleibt es damit auch bei den binnenorientierten Dienstleistungsfirmen insgesamt bei einer gehörigen Portion Skepsis mit Blick auf die aktuelle und erwartete Geschäftslage.

Diese Skepsis ist angesichts der zuletzt nur moderaten Konjunkturentwicklung absolut verständlich. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum hatte im zweiten Quartal ja nur wenig mehr als stagniert, und die Entwicklung im gerade abgelaufenen dritten Quartal war wahrscheinlich nicht viel besser: Der Konsum lahmt, und die Anschaffungsneigung der Privathaushalte hat sich zuletzt auch nicht wesentlich verbessert. Dies begrenzt die Absatzchancen der Unternehmen. Bei den Großunternehmen der Industrie, die in der Regel exportintensiver sind und bei denen ein größerer Anteil Skepsis vorherrscht als bei den Dienstleistern, spielt zudem die zuletzt so unvorteilhafte Währungsentwicklung mit eine Rolle für die relativ gedämpfte Stimmung und die Abwärtsrevision ihrer Produktionspläne. Der Yen hat sich in den letzten drei Monaten weiter sehr stark gezeigt und hat im September erneut an der Marke von 100 Yen per US-Dollar „gekratzt“. Zudem sind die Absatzchancen nach China, dem wichtigsten Exportmarkt des Landes, wegen der dortigen Wachstumsabschwächung allgemein schwieriger geworden.

Mit dem Anfang August bekannt gegebenen neuen Konjunkturpaket besteht zwar die Aussicht, dass Unternehmen in dem Bausektor und der Industrie demnächst auf größere Staatsaufträge hoffen können. Gleichwohl sollten die Wirkungen daraus für Japans Konjunktur und für die längerfristige Geschäftsentwicklung seiner Unternehmen nicht überschätzt werden. Zudem ist zu bedenken, dass es jene Firmen, die vergleichsweise gute Absatz- und Wachstumschancen sehen, aus Gründen der Demographie immer schwerer haben, geeignete neue Arbeitskräfte zu rekrutieren. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt nur noch bei 3,1 Prozent. Das Angebot qualifizierter Arbeitskräfte wird immer knapper, weil mehr ältere Arbeitnehmer in Pension gehen als junge Kräfte neu zur Verfügung stehen. Abhilfe kann hier nur ein neuer Reformschwung bringen, aber hierzu hat sich Premierminister Abe zuletzt eher bedeckt gehalten. Sein Konjunkturpaket dürfte den Arbeitskräftemangel dagegen eher noch verstärken und schon von daher nur begrenzte Wachstumswirkungen entfalten.

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