US-Arbeitsmarkt: Verhaltener Schwung im September, gute Beschäftigungslage lockt weitere Rückkehrer

Der jüngste September-Bericht zum US-Arbeitsmarkt (BLS) erinnert schon sehr an den August-Report. Der wesentliche Unterschied besteht allerdings darin, dass die heutige Veröffentlichung einen leichten Anstieg für die Arbeitslosenquote ausweist – von 4,9 auf 5,0 Prozent. Dies ist der erste Anstieg seit einem halben Jahr, der die Verlangsamung beim Beschäftigungsaufbau aber deutlich überzeichnet. Aber der Reihe nach: Im September hat sich die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft in den USA nur um 156.000 Personen erhöht, gleichzeitig vergrößerte sich aber das Angebot an Arbeitskräften immerhin um 444.000 Personen. Hier schlägt sich erneut die große Zahl an Rückkehrern auf den US-Arbeitsmarkt nieder, die während der Krise den Arbeitsmarkt verlassen hatten. Seit Beginn dieses Jahres ist der Zustrom an Rückkehrern deutlich größer als im vorangegangenen Jahr: Monatlich ist die Zahl der Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, seit letztem Dezember im Durchschnitt um stattliche 230.000 Personen gewachsen. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum war der monatliche Zuwachs deutlich niedriger. Wie auch im August hat sich also im September vor allem die Zahl der Arbeitslosen erhöht, die erst seit kurzem eine Arbeit suchen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen war hingegen, wie auch in den Vormonaten, rückläufig und sank unter die Zwei-Millionen-Marke.

Der Stellenaufbau im September wurde gänzlich von der privaten Wirtschaft getragen, im öffentlichen Sektor sank die Zahl der Beschäftigten erstmals seit April dieses Jahres. Der wesentliche Jobmotor war der sehr vielschichtige Bereich der Dienstleistungen, aber auch der güterproduzierende Sektor lieferte einen positiven Beitrag. Das schwache Plus bei der Beschäftigtenzahl in der Güterproduktion ist allerdings allein auf die Bauwirtschaft zurückzuführen. Im verarbeitenden Gewerbe wurden hingegen 13.000 Stellen abgebaut, während im Bergbau die in den vergangenen Monaten bereits deutlich reduzierte Zahl an Arbeitskräften stagnierte.

Trotz des verhaltenen Schwungs im September kann sich die Bilanz für das dritte Quartal dieses Jahres durchaus sehen lassen. Mit einem monatlichen Plus von 192.000 neuen Arbeitsplätzen liegt der Beschäftigungsaufbau gleichauf mit dem dritten Quartal des Vorjahres. Dennoch wollen wir nicht unter den Teppich kehren, dass im bisherigen Jahresverlauf „nur“ 1,6 Millionen neue Stellen geschaffen wurden, im Vergleich zu knapp 1,9 Millionen im Vorjahreszeitraum. Insgesamt dreht sich der Jobmotor am US-Arbeitsmarkt inzwischen also langsamer. Dies dürfte nur zum Teil daran liegen, dass gerade bei den Gutqualifizierten mit einer Arbeitslosenquote von weniger als drei Prozent Vollbeschäftigung herrscht. Aber auch wenn die Beschäftigungsdynamik in diesem Jahr noch genauso groß wäre wie im Vorjahr, hätten die zwei Millionen Rückkehrer, die seit Jahresbeginn gezählt wurden, nur wenig schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden können.

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Zustroms ist es daher nach unserer Einschätzung nicht überraschend, dass die Arbeitslosenquote vorübergehend wieder leicht gestiegen ist. Vor allem die gute Stimmung im Dienstleistungssektor, aber auch zahlreiche andere Indikatoren weisen auf eine robuste Beschäftigungsdynamik in den kommenden Monaten hin. Der heutige Arbeitsmarktbericht spricht insgesamt nicht gegen eine weitere Straffung der Geldpolitik durch die Fed noch in diesem Jahr.

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