Warum die britische Premierministerin May von einem Wahlsieg Trumps profitieren könnte

Der Wahlkampf in den USA geht in die entscheidende Phase. Wie üblich wurden viele Versprechungen gemacht. Beide Bewerber um die Präsidentschaft wollen nach einem möglichen Wahlsieg die Wirtschaft ankurbeln. Hierzu wollen Frau Clinton und Herr Trump schuldenfinanzierte Fiskalprogramme auflegen. Dabei möchte Trump die Steuern senken und damit den Konsum ankurbeln, während Clinton eher dazu neigt, die Staatsausgaben zu erhöhen.

Die fiskalpolitische Ausrichtung soll uns an dieser Stelle aber weniger beschäftigen. Es sind vor allem die Unterschiede in der Außen-, der Handels- und der Sicherheitspolitik, die zwischen Trump und Clinton teilweise sehr groß sind.

Clinton steht für eine Außenpolitik, die auf Kontinuität setzt. Unter Clinton als nächster US-Präsidentin wird es keinen Bruch geben, sondern eine Weiterentwicklung, wenn auch mit neuen Schwerpunkten. Dies ist für die Weltwirtschaft eine gute Nachricht, denn wir brauchen mehr freien Handel, nicht weniger. Und wir brauchen auch mehr politische Kooperation und nicht weniger, um den Welthandel nachhaltig zu fördern.

Das Gegenmodell hierzu ist der Politikentwurf von Herrn Trump. Er setzt auf weniger Kooperation, weniger Freihandel und mehr Protektionismus. Eine solche Politik würde zu einer nachhaltigen Schwächung des Welthandels beitragen. Hiervon wären Europa und insbesondere Deutschland negativ betroffen, denn Exporte und Wirtschaftswachstum dürften merklich niedriger ausfallen.

Ein wohl noch größeres Problem sind die sicherheitspolitischen Vorstellungen von Trump. Nach seinen bisherigen Aussagen – hier muss man einschränkend hinzufügen, dass man nicht wissen kann, wieviel von dem, was er ankündigt, auch tatsächlich umgesetzt wird – möchte er das Engagement der USA in der NATO deutlich reduzieren. Zudem sollen die Vereinigten Staaten insgesamt ihr außenpolitisches Engagement zurückfahren. Ein solcher Politikwechsel hätte merkliche Auswirkungen auf die Machtbalance in der Geopolitik. So dürften sich z.B. die Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten sowie im asiatischen Raum noch komplizierter darstellen. Ein stärkeres politisches und militärisches Engagement der westeuropäischen Länder wäre wahrscheinlich notwendig.

Aber auch die Sicherheitslage in Europa dürfte sich verändern. Die Nachbarstaaten von Russland  wären verunsichert und würden vermutlich eine deutlich stärkere Präsens der NATO fordern. Diese Entwicklungen würden in Europa zu einem merklichen Anstieg der Militärausgaben führen, was den Schuldenstand vieler Länder weiter belasten dürfte.

Für Großbritannien würde eine solche Entwicklung jedoch auch eine Chance bedeuten. Denn es ist eines der wenigen Länder in Europa, die ein ernstzunehmendes militärisches Potential vorweisen können. Damit würde eine solche Änderung der Außenpolitik der USA die Position der britischen Regierung in den anstehenden Verhandlungen zum Brexit stark verbessern. Denn Großbritannien könnte eine stärkere militärische Präsenz in der NATO zusagen, wenn man auf seine Forderungen eingeht.

Bei einer solchen Entwicklung kann man auch nicht ausschließen, dass Großbritannien bei den Verhandlungen mit der EU einen großen Teil seiner Forderungen durchsetzt. Es geht der britischen Regierung vor allem um den Zugang zum europäischen Binnenmarkt, ohne gleichzeitig die Freizügigkeit beim Zuzug von Arbeitnehmern aus dem europäischen Ausland gewähren zu müssen. Sollte es so kommen, so wäre dies ein weiterer Mosaikstein, der Europa langfristig schwächen und destabilisieren könnte. Für die britische Regierung wäre es kurzfristig aber ein großer Erfolg. Somit dürfte die britische Premierministerin May eine der wenigen sein, die von einem Wahlsieg Trumps profitieren könnte.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.20

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *