US Notenbank weiterhin zögerlich

Zwischen Rezessionsängsten und Forderung nach sofortiger Zinsanhebung
Die gestern Abend veröffentlichten Minutes der Fed-Sitzung im September offenbarten eine Spaltung des geldpolitischen Rates der US-Notenbank. Drei Mitglieder (George, Mester und Rosengren) stimmten auf der letzten Sitzung sogar für eine sofortige Zinsanhebung. Allerdings war die Mehrheit der Ratsmitglieder der Meinung, dass Sie noch mehr Beweise für einen anhaltenden Anstieg der Inflation benötigen. So zeigte sich die Entscheidung die Leitzinsen unverändert zu lassen als relativ eng, auch da weitere Ratsmitglieder eine Anhebung zeitnah für erforderlich halten.
Von den Gegnern einer sofortigen Zinsanhebung, die angesichts der Argumente von Fed-Chefin Yellen angeführt sein dürften, wurde in der weitergehenden Diskussion sogar ein mögliches Rezessionsrisiko eingebracht. Verwiesen wurde dabei auf Fälle in der Vergangenheit, bei denen die Arbeitslosigkeit, wie momentan, nahe oder unterhalb ihres langfristigen Niveaus lag. Eine geldpolitische Straffung hätte dann eine Rezession mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge. Auch sehe man angesichts der weiter zunehmenden Arbeitsmarktpartizipationsrate, dass die Erholung des Arbeitsmarkts noch Spielraum habe. Die geldpolitischen Falken betonten in diesem Kontext jedoch, dass sich die momentane Situation von früheren Phasen unterscheide, da das Wirtschaftswachstum derzeit in Summe deutlich schwächer und die Inflation deutlich niedriger sind als in den historischen Vergleichsfällen.
Jedoch sieht sie Mehrheit der FOMC-Mitglieder die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung als ausgeglichen. Gerade die Risiken in Bezug auf den Brexit seien zurückgegangen. Ein Teil der Ratsmitglieder ist dagegen aber immer noch der Ansicht, die Risiken für die wirtschaftliche Dynamik seien hoch. Die möglichen Folgen des Brexit könnten das Wachstum der Weltwirtschaft am Ende schwächer ausfallen lassen als derzeit noch erwartet.
Angesichts dieser gespaltenen Lage im FOMC gehen wir für November, auch auf-grund der zeitlichen Nähe zu den Unsicherheiten der US-Präsidentschaftswahl, von weiter unveränderten Leitzinsen aus. Mit Blick auf die Dezembersitzung bleibt die Entscheidung datenabhängig. Zwar wurde die Präsidentschaftswahl nicht explizit erwähnt, jedoch dürften der Wahlausgang und die möglicherweise daraus resultierenden Unsicherheiten die Entscheidung beeinflussen. Der Markt erwartet derzeit mit einer durch die Fed Funds Future implizierten Wahrscheinlichkeit von 67% eine Anhebung im Dezember. Sollte Clinton bei der Wahl am 8. November den Sieg davon tragen, dürfte wohl einer Zinsanhebung immer wahrscheinlicher werden.
In Summe sollten die Zinsphantasien jedoch gedeckelt bleiben. Die Betonung einer möglichen Rezessionsgefahr durch eine Leitzinsanhebung bei einem Teil der Ratsmitglieder und der immer noch relativ schwache Lohndruck sollten dazu führen, dass die Leitzinsen im historischen Vergleich nur im Gletschertempo steigen werden. Der deutliche Rückgang der zehnjährigen US-Renditen zeigt, dass auch am Markt die längerfristigen Zinsanstiegserwartungen gezügelt wurden.

 

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.33

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *