Drei Daumen hoch, einer runter

Blickt man rein auf das numerische Ergebnis der Ratingentscheidungen des vergangenen Freitags, könnte man leicht einen durchaus positiven Eindruck über die Entwicklung der Schuldentragfähigkeit der EWU-Staaten gewinnen. Einer Senkung des Ausblicks bei Italien stehen zwei positive Voten für Frankreich und Zypern gegenüber – sogar drei, wenn man das unveränderte Rating von Portugal durch DBRS hinzuzählen möchte, was außerdem die EZB-Fähigkeit portugiesischer Staatsanleihen sichert.

Positiv ist sicherlich zu vermerken, dass einige Staaten tatsächlich Reformen unternommen haben, wenngleich sich darüber streiten ließe, ob der Reformfortschritt in Frankreich angesichts mäßiger Wachstumserwartungen bereits als annähernd zufriedenstellend zu bezeichnen wäre. Auch die günstigen Refinanzierungsbedingungen vor dem Hintergrund der EZB-Maßnahmen (PSPP) schlagen positiv zu Buche und verleihen den Finanzministern unisono Rückenwind.

Dennoch ist das Bild weniger rosig als es den Anschein hat. DBRS zeichnet von Portugal zwar ein eher ausgewogenes Bild. Viele Investoren und auch andere Ratingagenturen sehen die Entwicklungen der vergangenen Monate, in denen viele Reformvorhaben zugedreht wurden, jedoch weitaus kritischer. Auch die Budget- und die Wachstumsziele der Regierung in Lissabon sind mit einem Fragezeichen zu versehen. Allerdings behält sich auch DBRS vor, den Daumen zu senken, sollte sich die fiskalische Lage verschlechtern.

Zunehmend problematisch ist die Lage in Italien, das trotz rekordniedriger Renditen Mühe hat, die Schuldenstandsquote zu stabilisieren und zudem Steuererleichterungen gegenüber Sparbemühungen favorisiert. Der Ausgang des Referendums im Dezember wird überdies von besonderer Bedeutung sein. Scheitert Renzi mit seiner beabsichtigten Reform des Senats, könnte Italien nach Portugal sogar zum neuen / alten Sorgenkind der EWU werden. Vielleicht erhält Italien sogar vor dem Referendum einen weiteren Warnschuss, wenn S&P dem Beispiel von Fitch folgt und am 11. November ebenfalls seinen Ausblick revidiert. Aus Marktsicht wirklich schlagend dürfte der Zustand der öffentlichen Finanzen aber wohl erst dann werden, wenn die Spekulationen über eine Rückführung der EZB-Käufe womöglich im kommenden Jahr neue Nahrung erhielten.

 

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