Die EWU verzeichnet einen anhaltend hohen Kapitalexport

Die jüngsten Kapitalbilanzdaten aus der Eurozone liefern, wieder einmal, wenig Erfreuliches. Im August belief sich der Kapitalabzug auf satte 34 Mrd. Euro – eine Verbesserung im Vergleich zu den beiden Vormonaten, aber immer noch besorgniserregend. Überhaupt ist die Entwicklung der Kapitalbilanz der Eurozone in den vergangenen Jahren zunehmend bedrohlich: profitierte die Region selbst in den Krisenjahren 2010-2012 weiterhin von Nettokapitalzuflüssen, hat sich das Bild seit Ende 2014 dramatisch geändert. Im dritten Quartal 2014 fiel der Nettokapitalfluss mit -100 Mrd. Euro nicht nur tief ins Minus, sondern gleichzeitig auf ein neues Rekordtief. Erholt haben sich die Daten seither nicht. Im Gegenteil, die Kapitalflucht aus der Eurozone hat seither immer weiter an Dynamik gewonnen. Dabei spielen sowohl ausländische als auch Investoren aus der EWU eine treibende Rolle. Was Zuflüsse aus dem Ausland betrifft, markiert der Beginn des QE-Programms der EZB einen wichtigen Wendepunkt. In den sechs Monaten bis Ende März 2015 profitierte der EWU-Bondmarkt von einem Nettokapitalzufluss von beeindruckenden 170 Mrd. Euro. Die Euphorie währte jedoch nicht lange. Mit Beginn von QE begann ein Ausverkauf in ausländischer Hand gehaltenen EWU-Bondbestände, der sich seither auf 240 Mrd. Euro beläuft. Ist es um das Investitionsinteresse ausländischer Investoren schon schlecht bestellt, so sieht es bei den einheimischen Investoren noch schlimmer aus. In der zweiten Jahreshälfte 2014 stiegen ihre Investitionen im Ausland sprunghaft an und haben sich seither auf hohem Niveau gehalten. Hiervon konnten vor allem ausländische Bondmärkte profitieren. Das Resultat dieser Entwicklungen ist beeindruckend: nachdem die Eurozone schon 2014 und 2015 Nettokapitalabflüsse verbuchen musste, steht der Abfluss in diesem Jahr (bis einschließlich August) mit 360 Mrd. Euro schon jetzt auf einem absoluten Rekordniveau und einem dreifachen des Vorjahreswertes. Mit verantwortlich für diese Entwicklung dürften u.a. die mangelnde wirtschaftliche Dynamik der Eurozone gewesen sein. Der weitaus größte Anteil dürfte jedoch auf das Konto der EZB gehen, die mit ihrem aggressiven Ankaufprogramm viele Investoren aus dem Bondmarkt verdrängt hat.

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