USA – Gute Beschäftigungslage, aber kaum Lohndruck in Sicht

Insgesamt ist die Beschäftigungslage in den Vereinigten Staaten recht gut. Seit Ende 2010 hat sich die Arbeitslosenquote halbiert und die Zahl der Arbeitslosen dürfte 2016 im Jahresdurchschnitt erstmals seit 2007 wieder unterhalb der Acht-Millionen-Marke gelegen haben. Im bisherigen Jahresverlauf, wie auch in den vorangegangenen Jahren, wurden trotz der inzwischen recht guten Lage am Arbeitsmarkt aber nur sehr moderate Lohnsteigerungen verzeichnet. Ein sichtbares Anziehen der Lohndynamik wird anscheinend durch den anhaltenden Zulauf von Rückkehrern verhindert. Nach unseren Berechnungen hält der Zustrom aus der stillen Reserve auch im kommenden Jahr an. Wir erwarten im kommenden Jahr eine Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent und Lohnsteigerungen von rund zweieinhalb Prozent. Der Abbau der Arbeitslosigkeit und damit der Rückgang der Arbeitslosenquote dürften trotz anhaltender konjunktureller Dynamik 2017 demzufolge noch etwas langsamer voranschreiten als in diesem Jahr.

Vergleicht man die vier Aufschwungszyklen am US-Arbeitsmarkt seit Anfang der 80er-Jahre, zeigt sich, dass im aktuellen Zyklus die mit Abstand schwächste Lohndynamik verzeichnet wird. Allerdings konnten in den letzten Jahren wegen der sehr niedrigen Inflation die privaten Haushalte unterm Strich – also real – trotz der schwachen nominalen Steigerungen einen Lohnzuwachs verzeichnen. 2015 lag die reale Lohnsteigerung sogar bei 2,6 Prozent und war damit so hoch wie zuletzt im Jahr 1998. Sollten die nominalen Lohnsteigerungen nachhaltig hinter der Inflation zurückbleiben, dann dürften auch die Lohnforderungen steigen.

Für die derzeit nur moderaten Lohnsteigerungen ist der entscheidende Grund jedoch in der hohen Zahl an Rückkehrern zu sehen. Vor allem mit Hilfe des Potenzials an erwerbsfähigen Personen haben wir festgestellt, dass immer noch eine große Zahl an Personen in der stillen Reserve verharrt. Laut unserer Analyse werden wohl noch knapp 1,3 Millionen wieder auf den Arbeitsmarkt zurückkehren. Auch wenn das Tempo beim Zustrom ähnlich hoch bleibt wie in diesem Jahr, dürfte sich der Prozess der vergleichsweise deutlichen Ausweitung des Arbeitskräfteangebotes bis in das Jahr 2018 hinziehen.

Ein weiteres Argument für vorerst ausbleibenden Lohndruck ist der immer noch überdurchschnittlich hohe Anteil an unfreiwillig nur Teilzeit arbeitenden Erwerbstätigen. Hierbei handelt es sich um Personen, die gerne Vollzeit arbeiten würden, aber nur einen Arbeitsplatz mit reduzierter Arbeitszeit finden. Wenn diese Personen die Möglichkeit erhalten, ihre Arbeitszeit aufzustocken, tun sie dies in der Regel bei unverändertem Stundenlohn. Im Prinzip ist hier also noch eine „zweite stille Reserve“ vorhanden.

 

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.67

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *