US-Wirtschaft in Q3: Robustes Wachstum trotz schwächerem Konsum

Im dritten Quartal lag das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten auf das Jahr hoch gerechnet bei 2,9 Prozent und war damit in etwa doppelt hoch wie im Vorquartal. Dabei lieferte allein der Aufbau von Lagerbeständen einen Beitrag von 0,6-Prozentpunkten, nachdem deren Auflösung im zweiten Quartal das offiziell ausgewiesene Wachstum erheblich gebremst hatte. Rechnet man den jeweiligen Lagereffekt heraus, dann ergibt sich für die US-Wirtschaft also im zweiten und im dritten Quartal jeweils eine Wachstumsrate von gut zwei Prozent. Der übliche Schwunggeber – der private Konsum – konnte die hohe Dynamik vom Frühjahrsquartal zwar nicht halten. Mit einem Beitrag in Höhe von 1,5-Prozentpunkten trug der Konsum aber immerhin fast die Hälfte des aktuellen Zuwachses und wurde damit weiterhin seiner Rolle als solider Wachstumsgarant gerecht.

Ein ganz besonderer „Eye-Catcher“ der heutigen Zahlen sind aber die Warenexporte. Gegenüber dem Vorquartal wurde hier eine Steigerung um fast 15 Prozent verzeichnet. Ein ähnlich starker Zuwachs wurde zuletzt im Schlussquartal 2013 registriert. Ein Comeback der US-Industrie verbirgt sich allerdings nicht hinter dieser außergewöhnlich positiven Entwicklung, sondern allein der Agrarsektor ist hierfür verantwortlich. Dem deutlich gesteigerten Export von Sojabohnen stand insgesamt nur ein leichtes Plus bei den Importen gegenüber, so dass unterm Strich der Außenhandel immerhin 0,8-Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum hinzu lieferte.

Bezüglich Investitionstätigkeit blieben die heutigen Zahlen hingegen leider eine positive Überraschung schuldig. Die Investitionen in Ausrüstungen und Maschinen sanken das vierte Quartal in Folge, auch wenn sich der Rückgang im Zeitverlauf deutlich verlangsamt hat. Ein kleiner Lichtblick ist bestenfalls eine positive Zuwachsrate beim Bau von gewerblichen Immobilien. Die erneut gesunkenen Investitionen in Wohnungen und Häusern waren hingegen aufgrund der bereits bekannten Indikatoren zu erwarten gewesen.

Nach unserer Einschätzung behält die US-Konjunktur ihr robustes Tempo bei, auch wenn im dritten Quartal teilweise Sondereffekte das Wachstum positiv beeinflussten. So sprechen zum einen die gute Konsumentenstimmung und die Beschäftigungslage für eine wieder stärkere Konsumdynamik im laufenden Quartal. Aber auch das Wirtschaftsklima notiert auf einem soliden Niveau. Die Investitionen in Wohnungsbauten dürften nicht nur wegen wetterbedingten Nachholeffekten im laufenden Quartal sichtbar steigen. Wegen dem verhaltenen Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr dürfte die Wirtschaftsleistung 2016 dennoch nur um rund anderthalb Prozent höher liegen als im Vorjahr.

 

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