Wachsende Unsicherheit für US Präsidentenwahl belastet

Die nahende US-Präsidentenwahl hat in den letzten Tagen für einige Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt. Auslöser waren die fallenden Umfragewerte der demokratischen Kandidatin Clinton. Diese haben sich zuletzt wieder merklich verschlechtert, nachdem die Befragungen viele Wochen einen Vorsprung ausgewiesen hatten, der auf relativ gesicherte Gewinnchancen hinwies. Gewählt wird am 8. November und die Verunglimpfung der Gegnerin/des Gegners durch immer wieder neue Enthüllungen hat gerade nochmal deutlich an Dynamik zugelegt. Getreu nach dem Motto „Wähler haben ein kurzes Gedächtnis“, gelangen belastende Informationen nicht zufällig gerade jetzt, quasi auf der Zielgeraden zum Wahltermin, an die Öffentlichkeit. Wir rechnen, gehen weiterhin davon aus, dass Hillary Clinton die nächste Präsidentin der USA wird.

Das Ergebnis der Präsidentschafts- und Kongresswahl am kommenden Dienstag wird kurzfristig wohl eher nicht den konjunkturellen Schwung der US-Wirtschaft oder der Weltwirtschaft beeinflussen. Wichtige Signale für die mittelfristige Entwicklung, nicht nur beim Thema Handelspolitik, werden aber auf jeden Fall vom Abstimmungsverhalten der US-Bürger ausgehen. In der Vergangenheit fand mit dem Ende der achtjährigen Amtszeit eines Präsidenten meistens ein politischer Wechsel statt.

Auch bei dieser Wahl werden für die nächsten Jahre grundlegende Weichen gestellt. Zwar wollen beide Kandidaten die konjunkturelle Dynamik entweder durch Investitionen in die Infrastruktur oder durch Steuererleichterungen erhöhen. Die finanziellen Pläne Clintons stehen dabei auf einem solideren Fundament und dürften nicht ganz so stark die Staatsschulden weiter in die Höhe treiben. Sollte Trump ins Amt gelangen und tatsächlich die Möglichkeit haben, seine radikalen Pläne bezüglich der illegalen Einwohner umzusetzen, dann hätte das eine sichtbar bremsende Wirkung für das Wirtschaftswachstum. Massenweise Ausweisungen würden nicht nur die Zahl der Arbeitskräfte, sondern auch die der Verbraucher spürbar reduzieren.

Eine große Diskrepanz zwischen den Wahlprogrammen tritt vor allem beim Thema Energie-Politik zu Tage. Während mit einer demokratischen Präsidentin die USA im internationalen Vergleich ihre Rolle im Bereich erneuerbare Energie ausbauen würden, strebt Trump die Rückkehr zu fossilen Brennstoffen an und will auch dem Klimaschutz den Rücken kehren. Auf einige industrielle Branchen und die angegliederten Dienstleistungsbereiche könnte das erhebliche Auswirkungen haben.

Die jüngsten Enthüllungen um Hillary Clinton zweigten eine große Wirkung. Dies ist möglich, da sich keiner der beiden Kandidaten einer großen Beliebtheit in der Bevölkerung erfreut. Entsprechend ist es leicht möglich, schwankende Wähler kurzfristig noch zu beeinflussen. Das zuletzt deutlich verstärkte Bekanntwerden von diskreditierenden Nachrichten kurz vor dem Wahltermin ist von daher reine Taktik. Denn der überwiegende Teil der Personen, die bei Umfragen beispielsweise angeben, dass sie Hillary Clinton wählen werden, tun dies nur, um zu verhindern, dass der nächste Präsident Donald Trump heißt. Andersherum verhält es sich genauso. Von daher könnte die demokratische Kandidatin bei weiteren Enthüllungen noch mehr an Boden verlieren.

Das spannende an jeder Präsidentenwahl sind weniger die „Selbstläufer-Staaten“ wie beispielsweise Kalifornien oder Texas, die sich jeweils fest in der Hand der Demokraten oder der Republikaner befinden. Große Aufmerksamkeit ist hingegen am Wahltag den hart umkämpften „Swing States“ sicher. Von diesen Bundesstaaten, bei denen teilweise mit einem recht knappen Ergebnis gerechnet wird, gibt es immerhin neun Stück. Wenige Tage vor der Abstimmung zeigen die Umfragen beispielsweise für Florida ein sehr enges Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem Donald Trump leicht vorne liegt. Immerhin handelt es sich hierbei um den größten Swing State, der auf einen Schlag stattliche 29 Wahlmännerstimmen bringt. Auch für einige andere Bundesstaaten deuten die Umfragen ein recht enges Ergebnis an. Unterm Strich sprechen die derzeit vorliegenden Umfragen und die Ergebnisse der Vorwahlen aber eher für einen Wahlsieg von Hillary Clinton.

Ebenfalls eine wichtige Rolle für den Wahlausgang spielt die ethnische Zusammensetzung der immerhin rund 226 Millionen Wahlberechtigten, die sich in den letzten Jahren weiter verändert hat und eigentlich den Demokraten in die Hände spielen sollte. Von der seit 2008 um vier Prozentpunkte gewachsenen Bevölkerungsgruppe aus Hispanics und Asiaten nimmt in der Regel aber noch nicht einmal jeder Zweite sein Wahlrecht wahr. Von daher ist es unsicher, inwiefern die demokratische Kandidatin hiervon profitieren kann.

 

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