US-Arbeitsmarkt: Wenig überraschendes, weiterhin solide Beschäftigungsdynamik

Wenige Tage bevor rund 226 Millionen US-Bürger zur Wahlurne schreiten dürfen, um das nächste Staatsoberhaupt und weite Teile des Kongresses neu zu bestimmen, wurde heute ein recht unspektakulärer Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. Außerhalb der Landwirtschaft ist im Oktober die Zahl der Beschäftigten um 161.000 Personen gestiegen, die Arbeitslosenquote sank von 5,0 auf 4,9 Prozent. Die etwas verhaltenen Daten für den Stellenaufbau in den beiden Vormonaten wurden gleichzeitig leicht hoch revidiert. Lässt man die Beschäftigtenzahlen im güterproduzierenden Bereich außer Acht, dann könnte man meinen, dass der recht erfreuliche Trend am Arbeitsmarkt die Gewinnchancen der demokratischen Kandidatin stützt.

Seit Jahresbeginn ist die Zahl der Beschäftigten in den USA um 1,8 Millionen gestiegen und lag dadurch zuletzt nur noch hauchdünn unter der Marke von 150 Millionen. Im öffentlichen Sektor entstanden knapp 200.000 neue Stellen. Dem Wahljahr sei Dank, war der Stellenaufbau im öffentlichen Sektor seit Jahresbeginn mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. In der privaten Wirtschaft hat sich der Schwung im Vergleich zu 2015 zwar verlangsamt, aber immerhin wurden in diesem Bereich etwas mehr 1,6 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Dahinter verbirgt sich allerdings der Abbau von 63.000 Stellen im industriellen Bereich, während im Servicebereich ein Stellenplus von 1,7 Millionen zu Buche steht. Diese Entwicklung wird wahrscheinlich der republikanische Kandidat als Bestätigung seines Wahlprogrammes werten. Und zwar dahingehend, dass es erforderlich ist, den Stellenschwund in der Industrie zu stoppen.

Wir ziehen aus dem heute vorgelegten Report die Schlussfolgerung, dass dieser Bericht die im bisherigen Jahresverlauf verzeichnete Entwicklung einer verlangsamten Beschäftigungsdynamik bestätigt. Nichtsdestotrotz ist unterm Strich der Schwung am US-Arbeitsmarkt immer noch deutlich höher als im langjährigen Durchschnitt. Die Tatsache, dass die Arbeitslosenquote wie fest geklebt an der 5‑Prozent-Marke hängt, ist ja dem hohen Zustrom an Rückkehrern in den vergangenen Monaten geschuldet. Hierbei handelt es sich um Personen, die während der Finanz- und Wirtschaftskrise enttäuscht den Arbeitsmarkt verlassen hatten. Seit Jahresbeginn haben diese das Angebot an Arbeitskräften kräftig ausgeweitet. Im Oktober ist die Arbeitslosenquote denn vor allem auch deshalb leicht gesunken, weil sich erstmals seit fünf Monaten das Arbeitskräfteangebot verkleinert hat. Insgesamt steht der jüngste Arbeitsmarktbericht einer Erhöhung der Leitzinsen durch die Fed auf der nächsten Sitzung nicht im Wege.

Den Anstieg der Löhne um 0,4 Prozent gegenüber Vormonat werten wir allerdings eher als „die einzelne Schwalbe, die noch lange keinen Sommer macht“. Auch in den kommenden Monaten dürften zahlreiche Rückkehrer die Lohndynamik begrenzen. Mit zunehmender Knappheit an qualifiziertem Personal sollte der Lohndruck aber anziehen. Auch im kommenden Jahr wird die Arbeitslosenquote wohl nur langsam ihren Abwärtstrend fortsetzen. Nach unserer Einschätzung befindet sich immer noch eine recht große Zahl an Personen in der so genannten stillen Reserve des Arbeitsmarktes. Diese Personen halten einerseits die Lohndynamik im Zaum und bremsen andererseits den Rückgang

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