Donald Trump wird Präsident der USA – Finanzmärkte reagieren geschockt

Sie haben ihn tatsächlich gewählt. Gegen jede Prognose im Vorfeld der Wahl haben die US-Amerikaner Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt. Die republikanische Partei des neuen Präsidenten hat darüber hinaus die Mehrheit im Kongress verteidigt. Das Repräsentantenhaus bleibt ebenfalls in der Hand der Republikaner. Damit ist Donald Trump formal einer der am besten handlungsfähigen Präsidenten des letzten halben Jahrhunderts. Seit 1968 hat insgesamt nur in zwölf Jahren die Partei des amtierenden Präsidenten in beiden Kammern des Kongresses die Mehrheit gehabt! Also nur in 12 der letzten 48 Jahre konnten vom Präsidenten der größten Volkswirtschaft der Welt durchgreifende Gesetzesänderungen durchgeführt werden. Die Frage ist: Was macht er mit dieser Macht?

Für die Kapitalmärkte ist die Frage erst an zweiter Stelle relevant. Vorerst überwiegt der Schock. Noch bevor die Ergebnisse der letzten auszuzählenden Bundesstaaten vorlagen, notierten die asiatischen Börsen tief im Minus, der Nikkei büßt um 6 Uhr deutscher Zeit rund fünf Prozent an Wert ein. Alles, was unter Anlegern als sicherer Hafen gilt, ist gesucht. Gold, Staatsanleihen und der japanische Yen steigen kräftig.

Zum zweiten Mal innerhalb von nur fünf Monaten werden die Kapitalmärkte vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt, weil scheinbar ausgefeilte Umfragen und Prognosemodelle, die mit Erfahrungen der Vergangenheit kalibriert wurden, den Wunsch nach einem politischen Wechsel und schlicht den Protest der Wähler nicht zutreffend abgebildet haben. Aber taugt der Brexit als Blaupause? Wird sich die Entwicklung an den Kapitalmärkten nach dem Schock ähnlich darstellen? Zumindest die initiale Reaktion „nach unten“ bzw. in die sicheren Häfen hinein dürfte weitgehend nach dem Brexit-Muster verlaufen.

In der Folge des britischen Urnengangs wurde versucht, die wirtschaftlichen Auswirkungen zu quantifizieren und dann entsprechende Kursverläufe abzuleiten. Dabei wurde der negative Einfluss mehrheitlich zunächst überschätzt und somit die Kurserholung unterschätzt. Sehr schnell fielen nämlich die Anleger in den seit Jahren gewohnten Trott zurück: negative Ereignisse scheinen die Wahrscheinlichkeit dafür zu erhöhen, dass die Notenbanken länger an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten, sie ausweiten oder zumindest nicht straffen. Damit bleibt der Kurstreiber der letzten Jahre, kostenlose Liquidität, erhalten und die Kurse können weiter steigen. Zumal Aktien um Assetklassenvergleich noch am wenigsten überbewertet erscheinen. Der negative Einfluss des Ereignisses kommt dann später und vergrößert den Anpassungsbedarf, sollte der geldpolitische Stimulus irgendwann abebben.

So war und ist es anscheinend beim Brexit, und so könnte es auch unter Präsident Donald Trump sein. Die FED wird vermutlich keine Zinsanhebung im Dezember vornehmen, Trump wird umfängliche Fiskalprogramme ankündigen, die er aufgrund der breiten Mehrheiten auch umsetzen kann und die negativen Auswirkungen des Protektionismus, für den er steht, werden erst perspektivisch auf dem Wachstumspotenzial der USA lasten. Unter dem Strich ist das höchstwahrscheinlich negativ, nicht nur für die USA. Protektionismus schadet allen offenen Volkswirtschaften auf der Welt. Darin besteht eine weitere Besorgnis erregende Parallele zum Brexit.

Kurzfristig ist es somit nicht unwahrscheinlich, dass sich die Aktienkurse nach dem Schock erholen und sich im Verlauf der kommenden Tage Opportunitäten ergeben. Wir blicken gespannt auf den Verlauf des ersten Handelstages nach dem Trump’schen Triumph und werden das Geschehen an dieser Stelle weiterhin zeitnah kommentieren.

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