Positive Wachstumsüberraschung aus Japan im dritten Quartal – dem Export sei Dank

Die japanische Wirtschaft hat im dritten Quartal positiv überrascht: Das gesamtwirtschaftliche Wachstumstempo zog auf +0,5 Prozent (einfache Rate gegenüber dem Vorquartal) an, nach 0,2 Prozent im zweiten Quartal. Es war damit zuletzt deutlich lebhafter als erwartet und entsprach einer auf ein Jahr hochgerechneten Wachstumsrate von +2,2 Prozent (Q2: +0,7 % Q/Q, annualisiert). Angetrieben wurde die Wirtschaft nach der Jahresmitte vor allem von den Exporten, die mit +2 Prozent (einfache Rate gegenüber Vorquartal) zulegen konnten, wobei hier besonders Exportlieferungen von Bauteilen für Smartphones und andere Elektroartikel positiv zu Buche schlugen. Der private Konsum konnte sich dagegen mit einem Zuwachs von gerade einmal +0,1 Prozent kaum nach oben bewegen. Auch die Investitionen der Unternehmen zeigten mit +0,1 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal kaum mehr als Stagnation.

Insgesamt war Japans Wirtschaft damit zuletzt besonders stark den wechselvollen außenwirtschaftlichen Einflüssen ausgesetzt. Während die Exportnachfrage im dritten Quartal aufgrund von branchenspezifischen Sondereffekten im IT-Bereich allein einen Wachstumsbeitrag von +0,5 Prozentpunkten und damit über zwei Drittel zum Gesamtwachstum beitragen konnte, blieb die Binnennachfrage sehr verhalten. Von daher bleiben für die Regierung auch die Argumente bestehen, im Schlussquartal mit fiskalpolitischen Zusatzausgaben das Wachstum abzustützen. Es ist auffällig, dass die Bank of Japan zuletzt besonders intensiv vor konjunkturellen Rückschlaggefahren gewarnt hat. Offensichtlich ist sie überzeugt davon, dass die Exportdynamik nicht ausreichen wird, die japanische Wirtschaft in den kommenden Quartalen weiter deutlich zu stützen, um so die Konjunkturerholung abzusichern.

Auch wir sehen auf der Exportseite nach wie vor negative Risiken, zumal Japan sehr stark abhängig scheint von der im Trend immer schwächer werdenden Wachstumsdynamik in China und dem starken Yen. Auch die erhofften positiven Effekte aus dem Transpazifischen Partnerschaftsabkommen (TPP) werden nun nach der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten entfallen. Dieser hatte sich im Wahlkampf eindeutig gegen bestehende und neu geplante Freihandelsabkommen gewandt und dürfte daher die bisherigen TPP-Pläne wohl ad acta legen. Ob sich Japans Konsumnachfrage dagegen als wichtigste Wachstumskomponente bald deutlich erholen kann, ist zweifelhaft. Der neuerliche Rückschlag beim Konsumentenvertrauen vom Oktober vermittelt hier jedenfalls keine positive Hoffnung. Mehr als eine weiter schleppende Aufwärtsdynamik sehen wir hier – trotz derzeit sehr niedriger Arbeitslosenquote – nicht, so dass auch die kapazitätswirksamen Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen von dieser Seite kaum Unterstützung erfahren werden.

Da das im August angekündigte Fiskalpaket der Regierung ab dem Winterhalbjahr 2016/17 wohl temporäre Schubwirkungen für das japanische Wirtschaftswachstum entfalten dürfte, sehen wir für das diesjährige Schlussquartal ein erneut positives Wachstum. Dass es allerdings dieselbe starke Dynamik vom dritten Quartal erreichen wird, ist eher zu bezweifeln. Für das Gesamtjahr 2016 setzen wir aber nach der nun veröffentlichten Zahl zum dritten Quartal ein etwas höheres Wirtschaftswachstum von nun 0,8 Prozent an. Im Jahr 2017 sollte Japans Bruttoinlandsprodukt, von der Fiskalpolitik gestützt, um 0,9 Prozent wachsen können.

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