Baugenehmigungen: Trotz kräftigem Anstieg weiter unter Neubaubedarf

Mitte November hat das Statistische Bundesamt neue Zahlen zu den Wohnungsbaugenehmigungen in Deutschland vorgelegt. Danach sind die Genehmigungen in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um beachtliche 24 Prozent auf rund 276.300 gestiegen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, schließlich trägt das knappe Immobilienangebot zum starken Anstieg der Immobilienpreise in vielen Ballungszentren der Republik bei.

Trotzdem bleibt der Wohnungsbau weiter hinter dem Neubaubedarf zurück. Sollten sich die derzeit beobachtbaren Trends fortsetzen, kann für das Gesamtjahr 2016 mit 370.000 Wohnungsbaugenehmigungen gerechnet werden. Die Fertigstellungen dürften um rund 9 Prozent auf 270.000 Wohneinheiten steigen. Damit bleibt der Wohnungsbau weiter hinter dem von Experten auf jährlich 400.000 Wohnungen geschätzten Neubaubedarf zurück. Je länger die Entwicklung anhält, desto mehr Wohnungen müssen in den kommenden Jahren gebaut werden, um die Defizite der Vergangenheit auszugleichen.

Mangelnde Immobiliennachfrage ist sicherlich nicht der Grund für die Investitionsschwäche in diesem Bereich der Wirtschaft. Das verdeutlichen die Preissteigerungen, die in verschiedenen Städten bereits auf eine Überhitzung der Immobilienmärkte schließen lassen. Auch die Finanzierungsbedingungen sind nach wie vor äußerst attraktiv: So bewegen sich die Kreditzinsen auf extrem niedrigem Niveau. Gleichzeitig suchen Banken händeringend nach solidem Aktivgeschäft, das eine bessere Verzinsung als bei Anleihen erwarten lässt. Einziger Wermutstropfen ist das seit März gültige Gesetz zur Umsetzung der europäischen Wohnimmobilienkreditrichtlinie in Deutschland, das übertrieben restriktiv auf die Kreditvergabe wirkt und vor allem ältere Menschen und junge Familien benachteiligt.

Die Ursachen für das chronische Zurückbleiben der Baufertigstellungen hinter dem Neubaubedarf liegen vor allem auf der Angebotsseite: Zu nennen sind hier in erster Linie ein Mangel an Bauland, rechtliche Rahmenbedingungen, die den Wohnungsbau behindern und verteuern, sowie phasenweise Kapazitätsengpässe in der Bauindustrie. Der Schlüssel für eine Beseitigung der Investitionsschwäche in diesem Bereich liegt in Kommunen, die mehr stadtnahes Bauland ausweisen und erschließen, in einer Lockerung überzogener Bauvorschriften sowie in einer kreditnehmerfreundlichen Überarbeitung der deutschen Version der Wohnimmobilienkreditrichtlinie. Die Maßnahmen wären zugleich ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung überhitzter Immobilienmärkte.

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