Fillon und Juppé erreichen Stichwahl der Republikaner

In Frankreich ist in der ersten Runde der Vorwahlen der Republikanischen Partei überraschend Francois Fillon als erster aus dem Rennen hervorgegangen. Der politische Veteran und ehemalige Ministerpräsident konnte rund 44% der Stimmen erreichen und hängte damit unerwartet die beiden Favoriten Alain Juppé (28%) und Nicolas Sarkozy (21%) ab.

Entscheidend für Fillons Sieg wird die unerwartet hohe Wahlbeteiligung gewesen sein. Rund 4 Millionen Franzosen, darunter auch viele Nicht-Republikanern, schritten zu den Wahlurnen. Jeder wahlberechtigte Franzose konnte gegen einen geringen Kostenbeitrag sowie ein unverbindliches Bekenntnis zu den bürgerlichen Werten teilnehmen. Aus Sorge vor einer der rechtspopulistischen Präsidentin Marine Le Pen, die gute Chancen hat, in die zweite Runde der allgemeinen Präsidentschaftswahl einzuziehen, unterstützen viele Franzosen denjenigen Aspiranten, der ihnen als aussichtsreichster Gegenspieler des Front National erscheint. Nach einer fünfjährigen Legislaturperiode Hollandes mit historisch schlechten Zustimmungswerten und einer inneren Zersplitterung der Sozialistischen Partei, trauen selbst sozialistische Anhänger einen bürgerlich-rechten Kandidaten eher einem Sieg über den Rechtspopulismus zu.

Fillons Sieg überraschte, insofern er bei den Umfragen in den vergangenen Wochen noch mit rund 15% als weit abgeschlagen galt. Umfragen hatten auf einen Zweikampf zwischen Juppé und Sarkozy hingedeutet. Erst in den letzten Tagen und im Zuge der letzten Fernsehdebatte konnte Fillon zu den beiden stärksten Kontrahenten näherungsweise aufschließen. Die dennoch große Diskrepanz zwischen den Prognosen und dem tatsächlichen Wahlergebnis von über 20 Prozentpunkten lässt sich unter Umständen auf die fehlenden Erfahrungswerte zurückführen – gilt die öffentlich ausgetragene Vorwahl als Novum bei der Bürgerlich-Rechten. Fillon wird sich nun am 27. November zusammen mit dem Zweitstärksten Juppé einer Stichwahl stellen, um sich den Einzug in den Präsidentschaftswahlkampf zu sichern.

Fillon unterscheidet sich mit seinem Wahlprogramm zwar nicht besonders deutlich von seinen Kontrahenten. Ähnlich wie seine Herausforderer fordert er eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 39 Stunden sowie eine Reduzierung der öffentlichen Ausgaben um 100 Mrd. Euro innerhalb der fünfjährigen Legislaturperiode. Jedoch scheint es Fillon gelungen zu sein, sich zwischen seinen beiden größten Kontrahenten zu positionieren. Auf der einen Seite konnte er die Anhänger des rechten Flügels, die einer erneuten Kandidatur Sarkozys ablehnend gegenüberstand, hinter sich bringen, wobei er es auch verstand, katholische Gruppierungen für sich zu gewinnen. Auf der anderen Seite gelang es Fillon, sich vom eher gemäßigten Juppé durch ein besonders wirtschaftsliberales Programm abzusetzen, indem er unter anderem den Abbau von 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst forderte.

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