DZ BANK Research Jahresausblick 2017

Fiskalpolitik gibt Impulse für Weltwirtschaft, Wachstum bleibt aber fragil / Zentralbanken nicht noch expansiver / Aktienmärkte mit moderatem Aufwärtspotenzial

Die Weltkonjunktur kommt im Jahr 2017 langsam in Fahrt. Unterstützt wird sie dabei durch zunehmende fiskalpolitische Stimuli. Vor allem aufgrund eines energiepreisbedingten Basiseffektes wird auch die Inflation leicht anziehen. Eine noch expansivere Geldpolitik steht damit vorerst nicht zur Debatte. Die Zinsen bleiben insbesondere in der Eurozone weiterhin sehr niedrig. Der fortbestehende Mangel an attraktiven Anlagemöglichkeiten wird in Verbindung mit dem leicht beschleunigten Wachstum der Weltwirtschaft auch die Aktienmärkte beflügeln. Der DAX wird Ende 2017 bei rund 12.000 Punkten notieren.

Für die Weltwirtschaft wird im kommenden Jahr mit einem Wachstum von 3,0 Prozent gerechnet, während im laufenden Jahr 2,8 Prozent erwartet werden. Die Wachstumsdynamik ist weltweit schwach. Einige Länder werden versuchen, sich mit Fiskalprogrammen dagegen zu stemmen. Darunter auch die USA mit ihrem neuen Präsidenten, allerdings wird die Wirkung dort erst in der zweiten Jahreshälfte 2017 allmählich zu spüren sein. Global bleibt das Wachstum aufgrund der zahlreichen geopolitischen Risiken fragil. Politische Themen und das Agieren der Zentralbanken werden weiterhin die fundamentalen ökonomischen Faktoren überlagern.

Politische Risiken lasten auf der Stimmung, Wachstum bleibt aber recht robust

In diesem Umfeld wird sich die ohnehin verhaltene Konjunktur in der Eurozone nochmals leicht abkühlen. Es wird ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,2 Prozent nach 1,5 Prozent im Jahr 2016 erwartet. Die anstehenden Brexit-Verhandlungen, das Ergebnis der US-Wahl und der zunehmende Populismus in Europa lasten auf der Stimmung. Das wird sich 2017 negativ im Wirtschaftsklima und im Wachstum niederschlagen. Angesichts der großen Unsicherheiten ist die Verfassung der europäischen Wirtschaft jedoch noch recht robust. Dies gilt insbesondere für die deutsche Wirtschaft, die von einer stabilen Binnennachfrage getragen wird. Zwar wird für das Jahr 2017 mit einem BIP-Zuwachs in Deutschland von nur noch 1,2 Prozent (2016: 1,8 Prozent) gerechnet, doch  sind rund 0,3 Prozentpunkte dieses Rückgangs auf die geringere Zahl an zur Verfügung stehenden Arbeitstagen zurückzuführen.

Dass angesichts der bescheidenen Wachstumsaussichten auch in Europa immer mehr Staaten Fiskalprogramme planen ist fehlgeleitet. Groß angelegte staatliche Ausgabenprogramme werden ein Strohfeuer sein, das die ohnehin schleppende Haushaltskonsolidierung in vielen Euroländern zurückwerfen wird. Statt zu Fiskalprogrammen sollte dringend zu weiteren Strukturreformen, insbesondere im Bereich der Arbeitsmärkte, gegriffen werden. Leider gibt es derzeit eher Bewegungen in die andere Richtung, auch in Deutschland.

Inflation steigt leicht – Straffung der EZB-Geldpolitik erst ab 2018

Die Inflation wird angesichts des gedämpften Wachstums und einer strukturell schwachen Nachfrageentwicklung nur moderat anziehen. Im Euroraum wird die Rate demnach im kommenden Jahr bei 1,1 Prozent liegen und damit weiterhin deutlich entfernt von der Zwei-Prozent-Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). In den USA wird mit 2,3 Prozent im Jahr 2017 ein stärkerer Preisauftrieb erwartet, der aber noch kaum durch die Pläne des künftigen US-Präsidenten Trump geprägt sein wird.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen dürfte auch die Geldpolitik auf den beiden Seitens des Atlantiks zunehmend auseinanderklaffen. Es ist damit zu rechnen, dass die US-Notenbank Fed bereits im Dezember den Leitzins anhebt. Bis Ende des Jahres 2017 sehen sie einen Anstieg der Fed Funds Target Rate in zwei weiteren Schritten auf 1,25 Prozent. Die EZB  wird hingegen den Leitzins und den Einlagensatz weiter unverändert niedrig halten. Das Asset Purchase Programme (APP) wird bei gleich bleibendem monatlichem Volumen von 80 Milliarden Euro bis auf weiteres fortgesetzt. Die Zentralbanken werden immerhin nicht noch expansiver agieren. Schon jetzt ist die Wirksamkeit der aktuellen Geldpolitik in Europa mehr als fraglich, die negativen Folgewirkungen kaum abzuschätzen. Die EZB dürfte das Tapering um die Mitte kommenden Jahres herum anmoderieren und dann 2018 mit ruhiger Hand umsetzen.

Aktienmärkte mit moderatem Aufwärtspotenzial

Die weitere Entwicklung der Aktienmärkte ist vorsichtig optimistisch zu betrachten. Dem DAX ist ein Anstieg auf 12.000 Punkte bis zum Jahresende 2017 zuzutrauen. Dies entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund zwölf Prozent gegenüber dem aktuellen Wert. Die leichte Beschleunigung der Weltkonjunktur wird die Gewinne der stark exportorientierten DAX-Unternehmen ansteigen lassen. Dies sorgt für Kurspotenzial. Außerdem gibt es weiterhin kaum attraktive Alternativen zu einer Anlage in Aktien.

22.11.2016
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