EZB spricht sich für staatliche Bad Banks aus, aber nicht uneingeschränkt

Europas Banken leiden unter einem riesigen Berg an zahlungsgestörten Krediten. Ende 2015 vereinten die 130 größten Banken der Eurozone nach Angaben der EZB wertberichtigte Aktiva von rund 1 Bio. Euro auf sich. Dabei sind deren Anteile an den Bruttokrediten (NPL-Quote) sehr ungleich über die einzelnen Länder verteilt. Nach Daten der European Banking Authority (EBA) lag die NPL-Quote Ende März EU-weit bei 5,7%, in Spanien aber beispielweise bei 9,1%, in Portugal bei 20,5%, in Irland bei 23,2% und in Italien bei 21,4%. Zum Vergleich: In den USA summierten sich die NPL auf gerade einmal 1,5%.

Der hohe Bestand an zahlungsgestörten Krediten erfordert aber einen hohen Bearbeitungsaufwand in den Banken, bindet enorme Managementkapazitäten, belastet die Ertragslage, da die Kredite keine Einnahmen generieren, aber Refinanzierungsaufwand und Risikovorsorge verursachen und binden vor allem sehr viel Eigenkapital. Damit steht dieses Eigenkapital nicht für die Vergabe neuer Kredite zur Verfügung.

Da die generelle Ertragslage der Banken ohnehin derzeit unter Druck steht, werden diese NPLs aber auch nicht in dem Maße abgeschrieben, das notwendig wäre, um sie am Markt zu verkaufen. Stattdessen hoffen die Banken insbesondere in den südeuropäischen Ländern bislang weitestgehend vergeblich, dass eine wirtschaftliche Erholung einsetzt und die Kredite dann entweder wieder bedient werden können oder sich aber die Preise für NPLs auf die Werte erholen, mit denen sie in der Bilanz stehen.

Der EZB ist dieses Vorgehen aber ein Dorn im Auge. Sie erhöht daher den Druck auf Banken, diese NPLs professioneller zu managen und konsequenter abzubauen. So hat sie im September ein entsprechendes Konsultationspapier veröffentlicht. Im jüngsten Finanzstabilitätsbericht widmet sie sich zudem in einem gesonderten, vorab veröffentlichten Kapitel dem Problem der NPLs. Darin identifiziert sie eine Reihe von Problemen beim Abbau von NPLs, angefangen bei der bestehenden Informationsasymmetrie zwischen Banken und potentiellen Käufern, deren stark divergierenden Preisvorstellungen, dem fehlenden Rechtsrahmen für eine zügige Verwertung von Sicherheiten bis hin zu fehlendem Eigenkapital, um die Veräußerungsverluste tragen zu können.

In dem Artikel schlägt sie auch als eine mögliche Maßnahme zur Problembewältigung die Gründung staatlicher „Asset Management Companies“ (AMC), umgangssprachlich auch Bad Banks genannt, vor. Diese könnten NPLs von Banken ankaufen, gerade dann, wenn der Markt für diese nicht aufnahmefähig ist oder die Rahmenbedingungen für Verkäufe an Investoren erst noch geschaffen werden müssen. Solange die Preise unter den langfristigen ökonomischen Werten der Kredite liegen, sei dies auch grundsätzlich mit den EU-Regeln für staatliche Beihilfen vereinbar, obwohl Preise über den aktuellen Marktwerten gezahlt würden. Abschreibungen von den Buchwerten auf diese langfristigen ökonomischen Werte müssten dabei von privaten Investoren, Eigen- und Nachrangkapitalgebern, getragen werden. Für die Differenz zwischen den von den AMCs gezahlten Preisen und den langfristigen ökonomischen Werten wiederum könnten vorsorgliche staatliche Rekapitalisierungen in Betracht kommen.

Allerdings schränkt die EZB ein, dass sich die Vorteile von AMCs historisch insbesondere bei tendenziell homogenen großvolumigen Krediten für Gewerbeimmobilien, Grundstücke und Immobilienentwicklung gezeigt hätten, da deren Werte leicht zu bestimmen und stark von der makroökonomischen Entwicklung abhängig sind. Ein Großteil der europäischen NPLs besteht aber aus Unternehmenskrediten, bei denen die Vorteile von AMCs eher nicht zum Tragen kommen würden.

Insofern spricht die EZB der Gründung von AMCs zwar eine wichtige Rolle beim Abbau von NPLs zu, aber nur dann, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Ähnlich wie die EZB sehe auch ich hier ansonsten das Problem von Moral Hazard, wenn der Staat den Banken pauschal ihre NPLs abnimmt. Insofern ist die Gründung von staatlichen Bad Banks nach meiner Einschätzung durchaus ein hilfreiches Instrument zum Abbau des riesigen Bestandes an NPLs, insbesondere da es eine zügige Entlastung für die Banken bringen könnte. Dennoch sollte es den Banken nicht nur Vorteile bringen, sondern eben auch nachteilige Konsequenzen haben. Denkbar wäre hier beispielsweise, dass das Management einer Bank, welche auf Druck von Aufsicht und Investoren gezwungen ist, eine staatliche Bad Bank in Anspruch zu nehmen, ausgetauscht werden muss. Auf diese Weise würden die Moral Hazard Probleme des Managements gemindert. Denkbar wäre auch, dass Verluste, die den AMCs entstehen, im Nachhinein im Wege von Besserungsscheinen von den betroffenen Banken oder von den nationalen Bankenrestrukturierungsfonds übernommen werden. Auf diese Weise würde das Risiko verringert, dass letztlich die Steuerzahler für die Verluste von Banken aufkommen müssen.

 

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