Mythos Jahresendrallye – kommt sie auch 2016?

Zwar lassen sich die „Jahresendrallye“ oder der „Januar-Effekt“ anhand historischer Zeitreihen belegen, jedoch begann diese beim DAX meist schon Ende September. Im Schlussquartal legte der DAX durchschnittlich 3,8% zu, wie unsere Analyse der Monatsrenditen des DAX seit 1960 zeigt.

Ursprünglich gründet der Ansatz darauf, dass früher (mehr vor 80 Jahren denn vor 20 Jahren) viele Privatanleger den Stichtag zum Jahresabschluss abgewartet und dann im Januar gekauft haben. Zudem fallen in den USA sehr oft bedeutsame politische Entscheidungen in den Januar, z.B. die Amtseinsetzung des Präsidenten und des Kongress oder die Rede des US-Präsidenten zur Lage der Nation.

Zu einer bestimmten Zeit hatten Saisonalitätsstrategien sicherlich einen gewissen ökonomischen Sinn, weil das wirtschaftliche Leben vor Jahrzehnten tatsächlich noch geprägt wurde von landwirtschaftlichen Zyklen, Investitionszyklen nach Präsidentschaftswahlen oder auch Urlaubszyklen, speziell während der Sommermonate.

Solche Zyklen existieren heute in dieser Form jedoch nicht mehr. Auch die Prägung des heutigen Börsenhandels hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv gewandelt. Investoren unterliegen zudem bei Saisonalitätsstrategien dem aus der Psychologie bekannten „Rückschau-Fehler“, d.h. im Rückblick hat man es „besser gewusst“. Umstände und Gründe, die das frühere Geschehen negativ beeinflusst haben, werden systematisch ausgeblendet. Nichtsdestotrotz werden noch heute in Wissenschaft und Praxis Studien über „Marktanomalien“ zitiert, wenngleich die Analysen vielfach überaltert sind. Werden genügend Daten gesammelt und statistisch durchforstet, sind meist (zufällige) Regelmäßigkeiten zu entdecken („data mining“).

Der Blick auf erfolgreiche Investoren zeigt, dass erfolgreiches Investieren nicht auf ein paar simple isolierte ökonomische Parameter, Rechnungen oder gar Faustregeln reduziert werden kann. Wir vertreten daher die Meinung, dass die Diskussionen um eine „Jahresendrallye“ und der „Januar-Effekt“ schöne Anekdoten sind, aber kaum dazu geeignet, sein Vermögen langfristig zu mehren.

Aktuelle Markteinschätzung – Rasante Trump-Rallye vor Abschwächung

Nicht überall auf der Welt steigen die Aktienmärkte so forsch wie zurzeit in den USA. Unter den etablierten Aktienmärkten liegen beispielsweise die japanischen Indizes und der französische CAC 40 noch deutlich unter den Rekordständen der vergangenen Jahre. Besser erging es zuletzt dem britischen Aktienmarkt, der nur noch wenige Prozentpunkte unter seinem Hoch notiert. Auch beim DAX, wenngleich im Gegensatz zu genannten Größen kein Preis-, sondern ein Performanceindex (ausgeschüttete Dividenden werden reinvestiert), sieht es besser aus: Der deutsche Leitindex müsste bis zum Erreichen des Rekords 16% steigen. Gründe für diese Transatlantik-„Kluft“ gibt es viele, ausschlaggebend dürfte aber insbesondere gewesen sein, dass die Amerikaner nach der Finanzkrise ihre Konzerne wieder schnell schlagkräftig machen konnten, während Europa in den letzten Jahren immer weiter in den Sorgenstrudel geriet. Die Bewertungssituation spricht schon seit geraumer Zeit für Aktieninvestitionen in Europa, hier notieren die Aktienindizes mehrheitlich im Bereich der langfristigen Durchschnitte. In Amerika hingegen sind die großen Indizes schon seit langer Zeit historisch teuer. Jedoch sind die Marktteilnehmern unverändert bereit, für eine bessere Stimmung auch eine höhere Prämie zu zahlen und ziehen daher unverändert US-Aktien den europäischen Pendants vor.

Jedoch dürfte die rasante Trump-Rallye, die zu deutlich steigenden Aktienkursen und fallenden Anleihenkursen führte, nun bald durch eine Phase der Ernüchterung abgelöst werden, nicht zuletzt weil sich der Nachrichtenfluss rund um die neue Administration wieder zurückbilden dürfte. Die überschießenden Kursbewegungen der vergangenen Wochen könnten sich damit insbesondere am Aktienmarkt als Strohfeuer entpuppen und eine Konsolidierungsphase einleiten. Schließlich liegen unverändert kaum konkrete (und damit messbare) Pläne seitens der neuen Regierung auf dem Tisch. Vor diesem Hintergrund könnten die europäischen Märkte in den kommenden Wochen wieder ein Stück weit zum US-Markt aufschließen, nicht zuletzt weil die stabile Nachfrage aus den Emerging Markets und der schwache Euro den exportstarken Unternehmen des Kontinents helfen.

Die weitere Entwicklung der Aktienmärkte mit Blick auf das Jahresende betrachten wir vorsichtig optimistisch. Unser Kursziel für den DAX per 31.12.2016 lautet unverändert 11.000 Punkte. Bis zum Jahresende 2017 erwarten wir einen Anstieg auf 12.000 Punkte. Dies entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund zwölf Prozent gegenüber dem aktuellen Wert. Die leichte Beschleunigung der Weltkonjunktur wird die Gewinne der stark exportorientierten DAX-Unternehmen ansteigen lassen. Dies sorgt für Kurspotenzial. Außerdem gibt es weiterhin kaum attraktive Alternativen zu einer Anlage in Aktien. Der Mythos „Jahresendrallye“ könnte sich also auch 2016 bewahrheiten.

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