EWU-Inflationsrate steigt moderat – aber mehr als gut ein Prozent ist nächstes Jahr nicht drin

Die Schnellschätzung für die Inflationsrate in der EWU für den November hat heute den Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr auf +0,6 Prozent beziffert. Das ist wieder ein kleines Stück mehr als im Vormonat und zudem der sechste Monat in Folge, im dem die Inflationsrate im positiven Bereich gelegen hat. Maßgeblichen Anteil an der höheren Inflationsrate hat, wie zu erwarten war, die Preisentwicklung im Bereich Energie. Die europäischen Verbraucher mussten für Energie nur noch -1,1 Prozent weniger bezahlen als ein Jahr zuvor. Dieser dämpfende Effekt, der zu großen Teilen auf die Entwicklung des Rohölpreises in den letzten zweieinhalb Jahren zurückzuführen war, verliert zusehends an Stärke. In der Spitze belief sich der Preisrückgang für Energie in diesem Jahr auf -8,7 Prozent.

Der Preisauftrieb bei den anderen Komponenten im Warenkorb blieb aber im November wie schon in den Vormonaten moderat. Nahrungs- und Genussmittel verteuerten sich auf Jahresbasis um +0,7 Prozent, industrielle Güter um +0,3 Prozent und Dienstleistungen um +1,1 Prozent. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel blieb deswegen auch unverändert bei+0,8 Prozent.

So lag denn jetzt auch erstmals in allen vier großen Mitgliedsländern die Verbraucherpreisentwicklung im positiven Bereich. Die nach europäischen Maßgaben berechneten Teuerungsraten gemäß des Harmonisierten Verbraucherpreisindizes (HVPI) beliefen sich in Deutschland und Frankreich jeweils bei +0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, in Spanien auf +0,5 Prozent und in Italien auf +0,1 Prozent.

Wie geht es nun mit der europäischen Inflation weiter? Nachdem die inflationsdämpfenden Auswirkungen auslaufen, dürften sich die Ausgaben der Verbraucher für Energie in den kommenden Monaten erhöhen, allerdings nur sehr moderat. Für den Ölpreis erwarten wir im kommenden Jahr ausgehend vom aktuellen Niveau einen Anstieg auf bis zu 56 US-Dollar im vierten Quartal 2017. Preistreibend dürfte dabei die beabsichtigte Förderbegrenzung der OPEC-Länder wirken. Aber bestehende Förderkapazitäten in anderen Ländern wie den USA oder Russland, dürften einem zu starken Anstieg entgegen wirken. Da sich aber bei den anderen Bereichen des Warenkorbs nur sehr begrenzte Preisauftriebstendenzen zeigen – und das trotz des hochdosierten Ankaufprogramms der EZB – wird die Inflationsrate in der EWU im Jahr 2017 nur auf etwas mehr als ein Prozent ansteigen. Die Deflationsdiskussionen dürften damit endgültig vom Tisch sein, von einer „normalen“ Inflationsentwicklung, geschweige denn vom eigentlichen Inflationsziel der EZB, bleiben wir aber noch immer ein gutes Stück entfernt.

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