Hollande gibt Verzicht auf Präsidentschaft bekannt

Der amtierende französische Präsident Hollande hat gestern bekannt gegeben, auf eine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen zu verzichten. In der Geschichte der fünften französischen Republik ist es ein bislang einmaliger Vorgang, dass ein Amtsinhaber trotz Wiederwahlmöglichkeit hierauf vorab verzichtet. Hollande zieht damit die Konsequenz aus seinen katastrophal schlechten Zustimmungswerten, die zuletzt im einstelligen Prozentbereich lagen. Die sozialistische Partei hatte ihrerseits bereits vor einiger Zeit angekündigt, Hollande nicht bedingungslos bei einer erneuten Kandidatur zu unterstützen. Vielmehr hätte sich Hollande erst einer Vorwahl seiner Partei stellen müssen.

Nachdem die Republikaner ihrerseits ihren Kandidaten Fillon jüngst durch Vorwahlen ermittelt haben, stand Hollande unter Zugzwang, sich hinsichtlich seiner Absichten zu erklären. Mit Hollandes Rückzug verkleinert sich der Kreis der sozialistischen Kandidaten um das Rennen für das höchste Staatsamt. Gute Chancen werden nunmehr Premier Valls eingeräumt, der von Hollande unterstützt werden könnte. Valls wäre ein Präsidentschaftskandidat, der für weite Teile der Sozialisten steht. Sein Gegenspieler auf der linken Seite des politischen und des innerparteilichen Spektrums ist Montebourg, der sich dezidiert gegen eine neoliberale Wirtschaftspolitik sowie für eine Lockerung der Austeritätspolitik ausspricht. Der ehemalige Wirtschaftsminister Macron hatte hingegen bereits angekündigt, als unabhängiger Kandidat bei den Wahlen antreten zu wollen. Er selbst gilt als „links-liberaler“ Kandidat, der sich politisch zwischen Valls und Fillon positioniert, aber vor allem mit Valls um ähnliche Wählerschichten konkurrieren würde.

Der Verzicht Hollandes auf die Kandidatur sowie die Frage, ob Valls oder Montebourg für die Sozialisten ins Rennen gehen, dürften auch auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl als solchen erheblichen Einfluss haben. Nominieren die Sozialisten Premier Valls, könnten Macron und Valls Gefahr laufen, sich gegenseitig Stimmen wegzunehmen. Vor allem die Kandidatin des rechtspopulistischen FN hätte Aussichten, von der Nominierung Valls‘ zu profitieren. Le Pen könnte in dem Fall neben den national gesonnenen Wählern auch die sozial benachteiligten Wählergruppen ansprechen. Vieles würde dann dafür sprechen, dass Le Pen und Fillon, der für einen gesellschaftlich konservativen und klar wirtschaftsliberalen Kurs steht, in die Stichwahl einzögen. Vor allem die Wähler, die gesellschafts- und wirtschaftspolitisch eher links stehen, würden sich bei solch einer Konstellation durch keinen der Kandidaten angesprochen fühlen. Nichtsdestotrotz würde Fillon nach jetzigem Stand der Dinge als Favorit der Stichwahl gelten, weil viele Franzosen nach wie vor Le Pen aufgrund ihrer nationalen Positionen ablehnen.

Nominieren die Sozialisten hingegen überraschenderweise Montebourg, dürfte der Ausgang der Wahl ungleich spannender werden. Wenngleich Montebourg nicht für die Breite der Partei steht, würden sich die Sozialisten mit ihm klar links der Mitte positionieren. Montebourg dürfte zum einen Le Pen bei ökonomisch protektionistischen und sozialen Themen Konkurrenz machen, zum anderen würde er sich stärker als Valls von Macron abgrenzen. Neben dem Favoriten Fillon könnte ein Dreikampf zwischen Montebourg, Macron und Le Pen um den Platz in der Stichwahl entbrennen.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 3.00

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *