EZB: Marathon statt Sprint

Der EZB-Rat beschloss hinsichtlich der außergewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen heute einige Änderungen. Zwar wird die EZB die Anleihekäufe im Rahmen des Asset Purchase Programms (APP) noch bis März 2017 unverändert fortführen, aber ab April 2017 sollen dann nur noch Anleihen im Wert von 60 Mrd. Euro bis zum Ende des Jahres 2017 oder darüber hinaus gekauft werden. Eine Hintertür ließ sich der EZB-Rat allerdings offen. Sollte sich herausstellen, dass sich der wirtschaftliche Ausblick in den kommenden Monaten verschlechtert und damit das Erreichen des Inflationsziels in weitere Ferne rücken könnte, beabsichtigt die EZB die monatlichen Käufe nach Umfang und/oder Dauer wieder zu erhöhen. Neben den monatlichen Käufen von 60 Mrd. Euro werden ab April zusätzlich die Rückzahlungen fälliger Anleihen, welche bisher im Rahmen des APP erworben wurden, reinvestiert. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, die im Zeichen immer neuer Maßnahmen der EZB standen, dürfte das kommende Jahr 2017 demnach von mehr geldpolitsicher Konstanz geprägt sein.

Um Engpässe bei der Beschaffung der Anleihen insbesondere mit Blick auf die Bundesanleihen zu vermeiden, wurden die Ankaufregularien angepasst. Die EZB will nun auch Anleihen mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr ankaufen (vorher zwei Jahre). Zusätzlich gilt bei Bedarf (Entscheidung kann jederzeit gefällt werden) nun nicht mehr die Renditeuntergrenze in Form des Einlagensatzes bei derzeit minus 0,4%. Diese Maßnahmen adressieren insbesondere eine mögliche Knappheit bei Bundesanleihen in Stressphasen.

Die Reduktion des monatlichen Ankaufvolumens um 20 Mrd. auf 60 Mrd. Euro sollte nicht als Beginn des Ausstiegs interpretiert werden. Die erst im März dieses Jahres beschlossene Eskalationsstufe muss vor dem Hintergrund einer zu diesem Zeitpunkt negativen Inflationsrate und den damals anhaltenden Sorgen um mögliche deflationäre Tendenzen gesehen werden. Der jüngste Anstieg der Inflation und die damit nachlassenden Deflationssorgen haben somit in den Augen des EZB-Rates eine Reduzierung der Anleihekäufe gerechtfertigt.

Draghi betonte dabei mehrfach, dass die beschlossene Reduktion nicht als Tapering im klassischen Sinne zu verstehen sei. Eine Diskussion über ein langsames Ende der Anleihekäufe wurde im EZB-Rat seinen Worten nach überhaupt nicht geführt. Er sagte viel mehr, dass die EZB beabsichtigt noch sehr lange am Rentenmarkt präsent zu sein, um so ihre geldpolitischen Ziele umzusetzen. Tapering-Spekulationen erteilte im Rahmen der Pressekonferenz mehrfach eine klare Abfuhr.

Mit Blick auf die niedrige Inflationserwartung der EZB für die Jahre 2017 (1,3%) und 2018 (1,5%) sowie 2019 mit 1,7% immer noch unter dem EZB-Ziel, bedeutet dies für uns, dass die EZB mit der heutigen Entscheidung nach dem Zwischensprint bei „Tempo 80“ nun wieder in einen leichten Dauerlauf bei „Tempo 60 plus“ verfällt. Anleihekäufe von 60 Mrd. Euro pro Monat sind immer noch ein erheblicher monetärer Stimulus. Zudem sollen fällig werdende Papiere reinvestiert werden, so dass das monatliche Kaufvolumen ab April 2017 insgesamt deutlich über 60 Mrd. Euro liegen dürfte. Die Reduktion der monatlichen Anleihekäufe sollte zudem nicht als Ausstieg aus dem Programm der quantitativen Lockerung interpretiert werden. Gleichzeitig schafft sich die EZB damit Spielraum für ihre weiteren Käufe. Mittelfristig, das heißt mit Blick auf 2018, werden sich die Kapitalmärkte aber auf einen langsamen Entzug der monetären Stimulierung einstellen müssen.

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