Brasilien: Zentralbank dürfte die Zinsen weiter senken

Die Inflationsrate in Brasilien rutschte im November noch etwas stärker als vermutet auf 7,0% (J/J) ab, der niedrigsten Jahresrate sein Ende 2014. Die Notenbank kam mit ihren zwei Zinssenkungen um jeweils 25 Bp mit dieser Abwärtsdynamik bei der Inflationsrate – im August hatte die Rate noch bei 9,0% gelegen – bei weitem nicht mit, so dass der Realzins merklich gestiegen ist. Um keinen unerwünscht restriktiven geldpolitischen Kurs zu fahren, wären daher deutlichere Zinsschritte notwendig. Bereits früher in der Woche hatte Notenbankpräsident Goldfajn in einem Interview angedeutet, dass die Banco Central do Brasil (BCB) das Tempo bei ihren Zinssenkungen beschleunigen könnte. Auch das Protokoll der letzten Notenbanksitzung zeigte, dass bereits entsprechende Überlegungen angestellt wurden. Bei der nächsten Sitzung im Januar und den folgenden Terminen sind daher inzwischen größere Schritte um jeweils 50 Bp wahrscheinlich geworden. Im zweiten Halbjahr des kommenden Jahres dürfte das Zinssenkungstempo wieder etwas zurückgenommen werden, da der Rückgang der Inflationsrate dann zäher verlaufen sollte. Mit den vier Notenbanktreffen in der ersten Jahreshälfte 2017 würde der Leitzins damit um 200 Bp zurückgeführt werden, wozu bis Jahresende weitere 100 Bp hinzukommen sollten.

Als weitere Bedingung für größere Zinssenkungen wurden vom Notenbankpräsidenten fortgesetzte Erfolge bei den Reformmaßnahmen angeführt. Nachdem es kurzzeitig so aussah, als würde die Reformagenda ausgebremst, scheint der Zeitplan nun doch erreichbar. Allerdings ging dies teilweise auf Kosten der Glaubwürdigkeit des Antikorruptionskurses. Der der Verwendung öffentlicher Mittel für private Zwecke beschuldigte Senatspräsident Renan Calheiros bleibt nach einer Entscheidung des obersten Gerichtshofs doch in seinem Amt. Eine Amtsenthebung hätte den Vizepräsidenten des Senats von der oppositionellen Arbeiterpartei an die Senatsspitze gebracht und zu Verzögerungen bei der anstehenden Verfassungsänderung zur langfristigen Ausgabenkontrolle geführt. Die abschließende zweite Abstimmung im Senat dürfte damit noch vor Weihnachten erfolgen. Derweil hat Präsident Temer als zweites wichtiges Reformpaket ein Gesetz zur Anpassung der Alterssicherung in das Parlament eingebracht. Die Verabschiedung wird sich jedoch weit in das kommende Jahr ziehen. Die Regierung leidet bereits jetzt unter sehr schwachen Umfragewerten und wird noch schlechter bewertet als die Vorgängerregierung.

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