Japan: Tankan-Umfrage – Lage besser, aber Erwartungen leicht schlechter

Die vierteljährliche „Tankan“-Umfrage der Bank of Japan vom Jahresendquartal hat verbesserte Stimmungswerte bei den japanischen Industrieunternehmen ergeben. Der Diffusionsindex (von  -100 bis +100) erreichte bei den Großunternehmen des Verarbeitenden Gewerbes einen Wert von 10, nach drei Quartalen mit jeweils 6 Punkten, und lag damit über den Markterwartungen. Die leichte Mehrheit der Unternehmen, die für sich ein verbessertes Geschäftsumfeld sehen, hat sich zuletzt also deutlich erhöht. Die leichte Yen-Abwertung zum US-Dollar in den Wochen nach der US-Präsidentschaftswahl, eine offenbar etwas bessere Exportnachfrage und die Aussicht auf frische Aufträge der Regierung, die nun ihr im August angekündigtes Fiskalpaket gestartet hat, hat den Optimismus in der Industrie ansteigen lassen. Demgegenüber blieb der Tankan-Index bei den Großunternehmen des mehr binnenorientierten Dienstleistungssektors konstant bei 18 Punkten.

Das bisherige Muster, dass die Einschätzungen zur Geschäftslage in größeren Unternehmen auf höherem Niveau liegen als in kleineren, hat sich auch dieses Mal wieder bestätigt. Für die Gesamtheit der befragten Unternehmen, also über alle Wirtschaftszweige und über alle Größenklassen hinweg, stieg der Tankan-Index von 5 auf 7 Punkte und erreichte damit sein Niveau vom Jahresbeginn wieder. Betrachtet man nur die Großunternehmen, so stieg der Index von 12 auf 14 Punkte. Dabei ist das aktuelle Geschäftsvertrauen im Industriesektor etwas schlechter als im Servicebereich, während die eher lokal ausgerichteten Kleinunternehmen generell niedrigere Stimmungswerte als die mittelgroßen und großen Unternehmen aufweisen. Vor allem die Großunternehmen planen denn auch noch zusätzliche Investitionsausgaben für das laufende Fiskaljahr, das erst am 31. März 2017 endet.

Das jüngste Tankan-Ergebnis ist zwar eine gute Nachricht im Hinblick auf die japanische Konjunktur. Bedenklich ist aber, dass es offenbar maßgeblich von temporären Sondereffekten wie dem Fiskalpaket der Regierung getrieben ist, ebenso wie von der Tatsache, dass von der Exportnachfrage zuletzt wieder etwas günstigere Einflüsse ausgegangen sind. Gerade die Nachfrage aus China, Japans zweitwichtigstem Exportmarkt, könnte sich aber schon bald von der Dynamik her wieder etwas moderater darstellen. All dies spricht keineswegs für einen nachhaltigen und dauerhaft stabilen Aufschwung der japanischen Wirtschaft. Insgesamt bleibt doch ein gewisses Maß an Skepsis bestehen, was die längerfristige Konjunkturentwicklung Japans angeht. Diese Skepsis äußert sich übrigens ebenfalls in der Tankan-Umfrage, denn die Frage, wie sich der Stimmungsindex für die Unternehmen in drei Monaten darstellt, beantworten die meisten Firmen in Japan so: „Etwas schlechter als heute“.

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