Weitere Kürzungen in der Ölproduktion

Wie von uns erwartet hat sich am Wochenende eine Phalanx von elf Nicht-OPEC-Staaten darauf geeinigt, ihre gemeinsame Rohöl-Fördermenge um 558 kbd  zu reduzieren. Damit kommt der Nicht-OPEC- einer entsprechenden „Conditio-sine-qua-non-Forderung“ der OPEC-Staaten nach. Die OPEC hatte die Umsetzung ihrer eigenen Produktionsdrosselungsentscheidung (30.11.) von nominell 1,2 mbd unter den Vorbehalt gestellt, dass sich auch die Nicht-OPEC-Staaten zu einem additiven Kürzungsbeitrag in einem Volumen von 500-880 kbd zusammenfinden.

Den Hauptteil der beschlossenen Nicht-OPEC-Kürzung wird Russland übernehmen, dass sein Erzeugungsniveau im Laufe des 1H2017 um 300 kbd reduzieren will. Russlands Energieminister Alexander Novak führte aus, dass es sich um eine „echte Kürzung“ handeln werde, die das Fördervolumen von 11,25 mbd bis April/Mai auf 10,95 mbd reduziert. Weitere Kürzungsbeiträge stammen u.a. von Mexiko (-100 kbd), Oman (-45 kbd), Aserbaidschan (-35 kbd), Malaysia (-20 kbd) und Kasachstan (-20 kbd).

Den Weg zu dieser Nicht-OPEC-Vereinbarung hatte die OPEC am vergangenen Mittwoch freigemacht, als sich das Förderkartell dazu bereit erklärte, ein beachtliches Maß an „kreativer Buchführung“ zu akzeptieren, um den letzten Stolperstein einer – als Prestige-Erfolg vermarktbaren – OPEC-/Nicht-OPEC-Kooperation aus dem Weg zu räumen. So akzeptiert das Förderkartell auch die natürlichen – also nicht willentlich herbeigeführten – Produktionsrückgänge diverser Nicht-OPEC-Staaten á la Mexiko und Aserbaidschan als offizielle Kürzungsbeiträge.

Unterm Strich ist festzuhalten, dass es sich lediglich bei den Kürzungszusagen aus Russland, Oman und Kasachstan um reguläre Einschnitte handelt, wobei das zeitlich gestreckte „Herunterdimmen“ der russischen Förderung die durchschnittliche „Beitragshöhe“ Russlands im 1H2017 realiter auf „nur“ 150-200 kbd begrenzt.

Der den Kürzungsbeschluss der Nicht-OPEC-Fraktion ostentativ begrüßende Ölminister Saudi-Arabiens, Khalid Al-Falih, signalisierte am Wochenende überdies, dass das Wüsten-Königreich nicht nur beabsichtige, seine (im OPEC-Rahmen vereinbarte) Förderdrosselung von 10,54 auf 10,06 mbd unmittelbar zum Stichtag am 1. Januar 2017 umzusetzen, sondern seine „Produktionsdiät“ möglicherweise sogar über das ausverhandelte Niveau hinaus auszudehnen.

Der Markt hat den Nicht-OPEC-Kürzungsbeschluss – gleichbedeutend mit dem finalen Startschuss für die Umsetzung des OPEC-Deals aus der Vorwoche – sowie die Aussicht auf eine (nun möglich erscheinende) saudische Fördermenge unterhalb der psychologisch bedeutsamen „10-mbd-Marke“ mit einem 4%igen Anstieg des Brent-Rohölpreises auf 57 (WTI: 54) USD goutiert.

Fazit: Der Nicht-OPEC-Kürzungsbeschluss um ~0,6 mbd (im Laufe des 1H2017) vom Wochenende entspricht qualitativ und quantitativ nahezu exakt dem, was wir vor Wochenfrist (im Anschluss an den OPEC-Deal) als Basisszenario formuliert haben. Lediglich die saudische Ankündigung, ihre bisherige Drosselungszusage mindestens – und bereits ab Tag 1 des Vereinbarungszeitraumes – zu erfüllen, stellt eine moderate Verschärfung der Kürzungsanstrengungen dar. Grau ist aber alle Theorie! Wichtiger als die wohl gesetzten Ankündigungen sind nun aber die Umsetzungsdisziplin und -geschwindigkeiten der teilnehmenden OPEC- und Nicht-OPEC-Staaten. Auch sollte nicht übersehen werden, dass jeder zusätzliche (marginale) Ölpreis-Dollar die Begeisterung und Zuversicht der US-Schieferölproduzenten zur Intensivierung ihrer Comeback-Anstrengungen anhebt.

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