US Notenbank hebt Zinsen an, Zinserwartungen aber wohl überambitioniert

Die US-Notenbank hat ihr Zins-Versprechen gestern Abend eingelöst und den Leitzinskorridor um 25 Basispunkte angehoben. Die Obergrenze liegt nun bei 0,75%. Als Begründung der Zinserhöhung führte Notenbankpräsidentin Yellen im Wesentlichen die erreichten und erwarteten Verbesserungen am US-Arbeitsmarkt an. Daneben sei die Inflationsrate gestiegen. Die marktbasierten Inflationserwartungen fielen nun deutlich höher aus. Die Entscheidung ist einstimmig getroffen worden. Für Aufsehen hat insbesondere die Revision der Zinserwartungen der Währungshüter gesorgt. Während die FOMC-Mitglieder im September noch zwei Leitzinserhöhungen für 2017 erwartet hatten, werden nun bis Ende 2017 drei Anhebungen der Fed-Funds-Rate prognostiziert.
Die Märkte waren gut auf den Zinsschritt der Fed vorbereitet gewesen. Vor diesem Hintergrund hielt sich die Überraschung in Grenzen. Im Zusammenhang mit dem nun erwarteten etwas steileren Zinspfad der Fed-Ökonomen stellt sich sofort die Frage, ob die FOMC-Mitglieder einen „Trump-Effekt“ antizipieren. Insgesamt fand im Fed-Statement die US-Präsidentschaftswahl jedoch keine Erwähnung. Dafür wurden sehr viele Fragen zu den möglichen Auswirkungen einer expansiven Fiskalpolitik während der Pressekonferenz gestellt. Die Marktreaktion war jedoch eindeutig. Die Renditen der zehnjährigen US-Treasuries sind in einer ersten Reaktion um nahezu 14 Basispunkte angestiegen und der US-Dollar konnte an Wert zulegen. Offensichtlich wird am Markt die leichte Revision der Zinserwartungen als Warnung in Richtung der neuen US-Regierung verstanden, dass die Fed im Falle einer durch eine expansive Fiskalpolitik ausgelöste Überhitzung der US-Wirtschaft die Leitzinsen deutlich stärker straffen könnte als bislang angenommen.
Nach der Zinserhöhung und der Aufwärtsrevision der Zinserwartungen der Währungshüter werden sich die Fragen nun mehr denn je um die Geschwindigkeit der Erhöhungen im kommenden Jahr drehen. Auf der Pressekonferenz gab Yellen zu Protokoll, dass die Veränderung der Projektionen nicht überbewertet werden sollte. Der Markt hat jedoch kräftig auf die Prognoseänderung der Währungshüter reagiert. Mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80% implizieren die Fed-Funds-Futures, dass der Zielkorridor der Fed-Funds-Rate gegen Ende des kommenden Jahres mindestens bei 1-1,25% und damit zwei Schritte höher liegen wird. Die implizite Wahrscheinlichkeit für mehr als zwei Zinserhöhungen liegt insgesamt bei 45%. Vor der Zinsentscheidung lag die Wahrscheinlichkeit bei lediglich 20%. Doch hat die Fed in der Vergangenheit einen eher vorsichtigen Weg eingeschlagen, wobei beachtet werden muss, dass im kommenden Jahr wieder mehr Tauben im FOMC-Rat stimmberechtigt sind.
Wir rechnen weiterhin mit nur zwei Zinsanhebungen im Jahr 2017. Die wirtschaftlichen Folgen eines möglichen Fiskalprogramms des neuen US-Präsidenten Trump dürften sich erst in der zweiten Jahreshälfte 2017 realisieren. Zudem sollte der Lohndruck in den USA weiterhin begrenzt bleiben. Damit kann die Fed mit ihrer vorsichtigen Geldpolitik zunächst fortfahren.

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