Griechenland findet wieder zu sich selbst

Trotz der kaum tragbaren Schuldenhöhe startet die griechische Regierung eine offensivere Handhabung der Staatsfinanzen. So hat die Regierung in Athen den Rentnern im Land eine einmalige pauschale Zulage in Höhe von bis zu 800 Euro zu Weihnachten versprochen, nachdem von ihr festgestellt wurde, dass die Staatsfinanzen dieses Jahr im Plansoll liegen.

Wie nicht anders zu erwarten reagierte die Eurogruppe mit harscher Kritik auf die Bekanntgabe. Den am 5. Dezember waren die Finanzminister der Eurogruppe noch übereingekommen, Griechenland sowohl eine Umwandlung der Kreditzinsverpflichtungen von variabel auf fix in Aussicht zu stellen, als auch die durchschnittliche gewichtete Restlaufzeit der EFSF-Verbindlichkeiten marginal von derzeit 31,1 auf 32,5 Jahren zu erhöhen.

Für Griechenland und seine Regierung ist die Lage durchaus kritisch. Da Tsipras bereits öffentlich die Renteneinmalzahlung versprochen hat, kann er politisch gesichtswahrend keinen Rückzieher mehr vollziehen. Auf der anderen Seite steht für Griechenlands Staatsfinanzen einiges auf dem Spiel. Ohne Fixierung der Kreditzinsen drohen höhere Zinsbelastungen, wenn das allgemeine EWU-Renditeniveau im kommenden Jahr ansteigen sollte.

Als Ausweg aus der derzeitigen Situation ist Griechenland nun gefordert, im Rahmen eines Kompromisses mit den Gläubigern alternative Vorschläge zu unterbreiten, die hinreichend plausibel erscheinen, damit das Land seine Spar- und Reformziele für dieses und das kommende Jahr erreicht.

Gelingt kein Kompromiss mit den Gläubigern und / oder nimmt der innenpolitische Druck auf die Regierung zu, könnte Tsipras die Flucht nach vorne antreten und Neuwahlen ausrufen.
Die griechischen Staatsanleiherenditen, die in Hoffnung von Schuldendiensterleichterungen im November noch gefallen waren, sind nunmehr wieder im Steigen begriffen.

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