Mittelstand blickt optimistisch aufs neue Jahr, aber Fachkräftemangel belastet

Die Stimmung im deutschen Mittelstand hat sich seit unserer Frühjahrsumfrage weiter erholt. An dieser Entwicklung sind die guten Rahmenbedingungen nicht ganz unschuldig. Die stabile Lage auf dem Arbeitsmarkt und die Niedrigzinsen beflügeln Wohnungsbau und privaten Konsum. Davon profitieren viele Mittelständler, die tendenziell eher inlandsorientiert sind als die Großkonzerne. Zudem können sich Unternehmen und private Haushalte gleichermaßen über die im langjährigen Vergleich immer noch relativ niedrigen Ölpreise freuen.

Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland bewerten ihre aktuelle Geschäftslage besser als noch vor sechs Monaten. Der Saldo aus positiven und negativen Antworten stieg von 69 Punkten auf 74 Punkte und erzielt damit das zweitbeste Ergebnis seit dem Start unserer Mittelstandsumfrage vor mittlerweile 21 Jahren. Nicht ganz so gut wie über ihre aktuelle Geschäftslage äußern sich die Mittelständler in Bezug auf ihre Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate. Gegenüber der Frühjahrsumfrage ist der Saldo der Erwartungen leicht von 27,3 Punkten auf 25,7 Punkte gefallen. Trotz des aktuellen Rückgangs wird der langjährige Mittelwert von 23 Punkten weiterhin übertroffen – der Mittelstand bleibt optimistisch.

Die seit dem Jahr 2010 bestehende Personaloffensive im deutschen Mittelstand hält auch im Herbst 2016 weiter an. Zwar fallen die Beschäftigungserwartungen mittlerweile nicht mehr ganz so positiv aus wie noch in diesem Frühjahr. Der Rückgang von 16,3 Punkten auf 16,1 Punkte ist jedoch nur marginal. Damit liegen die Beschäftigungserwartungen weiterhin deutlich über ihrem Mittel von 5,7 Punkten. Aktuell planen immerhin 24 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen in Deutschland, Personal einzustellen.

Auch die Investitionsneigung ging nur leicht von 81,3 Prozent auf 80,7 Prozent zurück. Trotz des Rückgangs ist dies immer noch das zweitbeste Ergebnis seit Bestehen der Mittelstandsumfrage. Dabei wollen angesichts der derzeit vergleichsweise niedrigen Preise für Agrargüter lediglich 69 Prozent der befragten Unternehmen in der Agrarwirtschaft in den nächsten sechs Monaten in ihr Unternehmen investieren, während die Mittelständler in der Chemie- und Kunststoffindustrie mit 88 Prozent die höchste Investitionsbereitschaft zeigen.

Der sich verschärfende Fachkräftemangel trübt allerdings die erfreulichen Ergebnisse unserer aktuellen Mittelstandsstudie. 70,4 Prozent der Mittelständler gaben an, dass der Fachkräftemangel für Sie derzeit ein Problem darstellt. Damit wird er erstmals als das bedeutendste aktuelle Problemfeld benannt. Allerdings ergreift der Mittelstand bereits Maßnahmen dagegen: Am wichtigsten werden verstärkte Bemühungen zum Halten qualifizierten Personals (68,8 Prozent) genannt. 64 Prozent der befragten Unternehmen wollen zudem dem Fachkräftemangel mit Qualifizierungsmaßnahmen entgegensteuern.

Zunehmende Sorgen bereiten dem deutschen Mittelstand auch die Niedrigzinsen. Zwar birgt das Niedrigzinsniveau auch Vorteile wie die geringeren Kreditzinsen. Angesichts weiter gestiegener Eigenkapitalquoten und zunehmender Finanzierung aus dem eigenen Cashflow leidet mittlerweile aber fast die Hälfte aller Unternehmen unter sinkenden Zinseinnahmen.
Alles in allem ist der deutsche Mittelstand weiterhin gut aufgestellt. Auch im Herbst 2016 erweist er sich als eine stabile Stütze der deutschen Wirtschaft.

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