Jahresausblick Unternehmensanleihen: „Mindestens haltbar bis…“

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Angabe, die Sicherheit geben soll: Wie lange kann ein Produkt mindestens konsumiert oder verwendet werden, bevor sich Qualität und Konsistenz ändern, bevor eine erwartete Wirkung nachlässt oder sogar schädliche Effekte eintreten? Nutzer vertrauen darauf, dass innerhalb der Mindesthaltbarkeit die vom Hersteller angepriesene – beispielsweise geschmackliche oder heilende – Leistung nicht beeinträchtigt ist.

Die Beobachtung der Geldpolitik hat traditionell auch Elemente von „mindestens bis“ – in der alten Zeit war dies insbesondere auf Zinsentscheidungen zu beziehen. Mit dem seit einigen Jahren ausgebauten Instrumentenkasten der Notenbanken sind es vor allem die Verfallsdaten der monetären Stimulierung durch Anleihekäufe, welchen die Finanzmärkte große Aufmerksamkeit widmen. Innerhalb der Laufzeit dieser Ankaufprogramme – so die Erwartung – lindert die monetäre Extra-Dosis alle unerwünschten Nebeneffekte (sprich Preisbewegungen), welche durch konjunkturelle und politische Risiken auf den Finanzmärkten lasten könnten. Es ist allerdings ein Privileg der Notenbanken, die Mindesthaltbarkeit ihrer geldpolitischen Maßnahmen terminlich nicht exakt fixieren zu müssen, sondern sich selber Spielräume offen zu halten und den Marktbeobachtern die Aufgabe der Interpretation zu überlassen.

Um in dem Bild zu bleiben: Corporate-Bond-Investoren konnten aufgrund der Frische des erst in 2016 hergestellten Produktes CSPP (Ankaufprogramm für Unternehmensanleihen) zuletzt Unternehmensanleihen bedenkenlos „konsumieren“. Mit der jüngst von der EZB angekündigten Verlängerung des übergeordneten Ankaufprogramms wurde der in 2016 maßgebliche Stützungsfaktor für die Spreads von Unternehmensanleihen auf „mindestens bis“ zum Ende des kommenden Jahres verlängert.

Für das konjunkturelle Umfeld lässt sich für das kommende Jahr aus unserer Sicht ein moderat freundlicheres Bild im Vergleich zu 2016 zeichnen. Die Dynamik des weltweiten Wirtschaftswachstums sollte leicht zulegen, wenngleich insbesondere politische Unsicherheiten erneut als latente Risikofaktoren erhalten bleiben. Auf der Mikroebene erwarten wir aufgrund der anhaltend gültigen Rahmenbedingungen (insbesondere Niedrigzinsniveau, limitierte organische Wachstumsperspektiven) eine Fortsetzung des M&A-Momentums, was jedoch angesichts der weitgehend soliden Finanzprofile nicht zu einer generellen Spreadbelastung führen dürfte. Des Weiteren sollte sich das übergeordnete Ratingbild in 2017 weitestgehend stabil präsentieren und somit ebenfalls eine eher neutrale Wirkung auf die Risikoaufschläge haben. Für den Primärmarkt prognostizieren wir nach dem diesjährigen Rekord erneut eine rege Emissionstätigkeit bei einer gleichzeitig hohen Aufnahmebereitschaft des Marktes. Die Marktpräsenz der EZB ist nach den neuesten Erkenntnissen für das gesamte Jahr 2017 gesichert. Wir erwarten, dass die Notenbank das bisher gezeigte hohe Ankauftempo bei Unternehmensanleihen im kommenden Jahr nicht signifikant drosseln wird, woraus wir insbesondere für die erste Jahreshälfte Spreadeinengungspotenzial ableiten. Mittelfristig müssen sich die Kapitalmärkte jedoch auf einen langsamen Entzug der monetären Stimulierung einstellen. Eine Diskussion über ein nahendes „Ablaufdatum“, sprich ein potenzielles Tapering, könnte unseres Erachtens in der zweiten Jahreshälfte 2017 einsetzen und dann (ausgehend von niedrigeren Niveaus) moderat höhere Risikoaufschläge bedingen. In Summe erwarten wir zum Jahresende 2017 für den iBoxx € Corp. Non-Financials einen im Vergleich zum aktuellen Niveau nahezu unveränderten Indexstand von rund 75 Basispunkten.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.00

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *