Bundeskabinett beschließt Kreditbremse und bessert bei der Wohnimmobilienkreditrichtlinie nach

Kurz vor Weihnachten tritt das Bundeskabinett bei der Vergabe von Wohnimmobilienkrediten auf die Bremse – und gibt gleichzeitig Gas. Während aber die Kreditbremse erst wirkt, wenn sie in der Zukunft von der BaFin tatsächlich aktiviert werden sollte, werden die Nachbesserungen bei der Wohnimmobilienkreditrichtlinie die damit verbundene Unwucht bei Immobiliendarlehen unmittelbar beheben.

Die im März 2016 eingeführte Wohnimmobilienkreditrichtlinie hatte für reichlich Verdruss bei Banken und Sparkassen gesorgt, weil die Umsetzung der EU-Richtlinie 2014/17 in nationales Recht schärfer erfolgte, als vom Europäischen Parlament vorgesehen. Für Aufregung haben vor allem die Vorschriften für die Kreditwürdigkeitsprüfung gesorgt. Diese durfte danach nicht mehr hauptsächlich auf die Besicherung des Darlehens durch die zu finanzierende Immobilie abstellen. Deshalb kann die Kreditgewährung nur noch erfolgen, wenn der Kreditnehmer das Darlehen voraussichtlich aus seinem Einkommen vollständig zurückzahlen kann. Das erscheint auf den ersten Blick vernünftig, wirft aber in nicht wenigen Fällen Probleme auf. Zwei Kundensegmente wurden dadurch faktisch von der Kreditvergabe ausgeschlossen. Das sind zum einen junge Familien, bei denen der Einkommensstrom in der Zukunft schwanken kann, etwa durch Nachwuchs. Zum anderen blockierte die Vorgabe Kredite an Senioren, die damit etwa den altersgerechten Umbau ihres schuldenfreien Eigenheims finanzieren wollten. Zwar ist hier in der Regel das Einkommen gut vorhersehbar, nicht aber die Rückzahlung des Kredites in der verbleibenden Lebenszeit gewährleistet.

Hätte die gerade beschlossene Neuregelung schon von Anfang an gegolten, wäre die Ablehnung von vielen der ab März 2016 beantragten Immobiliendarlehen verhindert worden. Denn nun gilt auch in Deutschland die von der EU vorgesehene Ausnahme, nach der auf die Sicherheit abgestellt werden darf, wenn der Darlehensvertrag zum Bau oder zur Renovierung der Wohnimmobilie dient. Zudem sollen weitere Klarstellungen erfolgen. Dazu haben das Bundesfinanz- und Justizministerium den Auftrag erhalten, Leitlinien für die Kreditwürdigkeitsprüfung zu erarbeiten. Alle Schwierigkeiten sind aber nicht behoben. So bleibt weiterhin fraglich, wie die Banken bei Anschlussfinanzierungen zu prüfen haben.

Die beschlossene Kreditbremse hat ebenfalls nicht zu Jubel in der immer stärker regulierten Kreditwirtschaft geführt. Die Idee hinter den makroprudenziellen Instrumenten ist eine Drosselung der Kreditvergabe zur Vermeidung von Immobilienblasen, die die Stabilität des Finanzsystems beeinträchtigen können. Das Hauptargument der Gegner lautet, dass die vorgesehenen Obergrenzen für die Beleihung, die Kredithöhe und die Schuldendienstfähigkeit in Deutschland nicht notwendig sind, weil die
hierzulande konservative Kreditvergabe bereits in der Vergangenheit ihre Wetterfestigkeit bewiesen hat. Das trifft auch zu; allerdings weiß niemand, welche Herausforderungen die Zukunft mit sich bringt. Und mit dem Wissen über die verheerende Wirkung der in den vergangenen Jahren in vielen Ländern geplatzten Immobilienblasen scheint es kein Fehler zu sein, wenn
sich die Finanzaufsicht rechtzeitig wappnet. Solange sich keine entsprechende Entwicklung abzeichnet, gibt es auch keinen Anlass, die Bremsmechanismen durch eine Allgemeinverfügung seitens der BaFin zu aktivieren. Insofern ändert sich für die Kreditvergabe durch diesen Beschluss vorerst nichts.

Eins sollte aber nicht vergessen werden. Ein zu frühes oder zu kräftiges Bremsen kann nicht nur die Geschäftstätigkeit der Banken behindern, sondern auch der Auslöser für eine Korrektur am Immobilienmarkt sein.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.80

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *