MDAX mit Rekord – wird die positive Entwicklung anhalten?

Der MDAX ist der Star unter den Indizes der DAX-Familie. Der Index der 50 mittelgroßen Aktien eilt seit Handelstagen von Hoch zu Hoch. Auch das kleinste Familienmitglied, der SDAX, notiert so hoch wie nie zuvor. Der Leitindex DAX selbst steht hingegen noch sechs Prozent unter seinem Allzeithoch. Im Zuge unseres Ausblicks gehen wir davon aus, dass der DAX im Jahresverlauf 2017 vorübergehend über 12.000 Punkte steigen könnte, so dass die Chancen für ein Erreichen des Allzeithochs (12.374 Punkte aus dem April 2015) in naher Zukunft recht gut stehen.
Im Langfristvergleich hat der MDAX die übrigen DAX-Indizes deutlich überflügelt. Seit dem 30.12.1987 stieg der Index der 11,3% p.a. an, der DAX erreichte „nur“ 8,8% p.a. Die Überrendite von 2,5% p.a. führte aufgrund des Zinseszins-Effekts dazu, dass der MDAX heute in etwa doppelt so hoch steht wie der DAX. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Anleger am Aktienmarkt am erfolgreichsten sind, wenn sie über sehr lange Zeiträume investiert bleiben, ohne dabei die Macht des Zinseszinseffekts unnötig durch Transaktionen und der damit verbundenen Kosten und Steuerzahlungen zu unterbrechen.

Der MDAX hat zwar in der Punkt-zu-Punkt-Betrachtung (heute versus 1988) deutlich besser abgeschnitten, jedoch entwickelte sich der Index nicht permanent besser als der DAX. Speziell während der Bubble-Jahre 1997-2000 konnte der MDAX dem Tempo des DAX-Anstiegs nicht folgen. Der MDAX war zu dieser Zeit durch zu viele „Old Economy“-Titel geprägt, die weniger Glamour versprühten als Überflieger im DAX wie Mannesmann, Deutsche Telekom oder Infineon. Dementsprechend blieb die Kursentwicklung des Index zurück.
Zieht man jedoch den gesamten Betrachtungszeitraum seit 1988 heran, so gibt es aus unserer Sicht diverse Gründe für die bessere Entwicklung des MDAX.

Ein wesentlicher Grund für die bessere Entwicklung des MDAX liegt an den Problemen des DAX selbst. In den vergangenen Jahren hatten viele Schwergewichte des Leitindex mit erheblichen strukturellen Problemen zu kämpfen, die weit über die normalen zyklischen Schwankungen im Geschäftsverlauf hinausgingen. Dazu gehörte die Krise der beiden börsennotierten Banken, insbesondere der Deutschen Bank, die Neuausrichtung des Geschäftsmodells der beiden Versorger als direkte Folge der Fukushima-Katastrophe 2011, außerdem der Abgasskandal bei Volkswagen. Die darauf folgende unterdurchschnittliche Kursentwicklung dieser ehemaligen „Witwen- und Waisenpapiere“ konnte nicht durch überproportionale Kursgewinne bei den übrigen Indextiteln ausgeglichen werden, so dass der DAX eine im Vergleich zu den anderen deutschen Indizes unterdurchschnittliche Kursentwicklung verzeichnete.

Hinzu kommt, dass per definitionem im DAX die Platzhirsche der deutschen Industrie vertreten sind, Unternehmen, die in der Vergangenheit stark gewachsen sind und deshalb in den Index der größten deutschen Unternehmen aufgenommen wurden. Dazu gehören Auto-, Chemie- und Industriewerte. Diese wachsen zwar heute auch noch, haben die wachstumsstärkste Zeit aber hinter sich gelassen. In den Nebenwerteindizes hingegen befindet sich eine bunte Mischung an Unternehmen aus den verschiedensten Branchen. Zudem sind diese Titel durchschnittlich stärker mittelständisch geprägt und auf Nischenmärkte fokussiert, in denen das Wachstum in den vergangenen Jahren offensichtlich höher ausfiel als bei den DAX-Konzernen. Solche Unternehmen leiden erfahrungsgemäß auch weniger unter globalen politischen Negativereignissen (z.B. Brexit, Trump-Wahl) als die großen DAX-Unternehmen, die in allen Schlüsselmärkten dieser Welt Geschäft betreiben und damit keiner Krise wirklich ausweichen können.

Auch ist die kontinuierliche Durchmischung mit wachstumsfrischen Unternehmen in den kleineren Indizes größer. Während im DAX in den vergangenen Jahrzehnten große Kontinuität vorherrschte (noch 17 der 30 Gründungsmitglieder sind im Index vertreten), wurde in den anderen Indizes öfter durchgetauscht. Beispiel MDAX: Im Index sind nur noch 8 der ursprünglich 70 Gründungsmitglieder enthalten, obwohl der Index erst sechs Jahre nach dem DAX aufgelegt wurde.

Wir erwarten, dass in einem ruhigen Börsenklima, wie derzeit vorherrschend, die bessere Entwicklung kleinerer Werte anhalten wird. Die ist ein typisches Phänomen für einen stark fortgeschrittenen Aktienmarktzyklus und gerechtfertigt ob der höheren Wachstumsraten. Allerdings scheint zwischenzeitlich ein Großteil der basisbedingten Probleme beim DAX verarbeitet und von der aktuell laufenden Rotation in Zykliker würden insbesondere auch DAX-Schwergewichte profitieren. Die relative Underperformance des DAX könnte so zunehmend schwinden.

Jedoch schließen wir aus, dass das komplette Börsenjahr 2017 so ruhig und stabil wie in den vergangenen Wochen verlaufen wird. Die weitere Kursentwicklung aller deutschen Aktienindizes wird von den politischen Risiken in diesem Jahr abhängen. Die Vergangenheit zeigt, dass politische Negativevents (z.B. Griechenland, Krim-Krise, Brexit) den DAX immer überproportional belastet haben. Dies ist unseres Erachtens auf die hohe Handelsliquidität, speziell im Futures-Geschäft, zurückzuführen. Laut Deutsche Börse gehört der DAX zu den weltweit wichtigsten 10 Underlyings für Index-Derivate.

Demgegenüber entwickelten sich die Nebenwerte-Indizes in genannten Krisen relativ stabil. Dies könnte sich in diesem Jahr wiederholen. Es erscheint daher in Anbetracht der höheren Bewertung (KGV-2017e DAX 13,4 versus MDAX 16,3) und geringeren Dividendenrendite bei MDAX & Co sinnvoll, erst bei einem Kursrücksetzer in diese zu investieren. Aktuell erscheint der DAX, den wir auch im DZ BANK Asset Allocation Portfolio mit zehn Prozent berücksichtigt haben, als Anlageinstrument attraktiver als der MDAX.

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