Private Haushalte: Jahresend-Rally rettet Anlagejahr 2016 – anhaltend schwieriges Umfeld 2017

Nach unseren vorläufigen Berechnungen dürften das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland im letzten Jahr um 230 Mrd. Euro auf 5,7 Billionen Euro gestiegen sein. Mit 4,1 Prozent lag der Anstieg nur wenig unter dem des Vorjahres. Wertzuwächse bei Aktien unterstützten die Entwicklung. So legte der DAX in der Jahresend-Rally kräftig zu und landete 6,9 Prozent höher. Zwar finden Aktien, Aktienfonds und Zertifikate weniger Berücksichtigung bei deutschen Anlegern als in anderen Ländern. Trotzdem trugen Aktienkursgewinne insgesamt mit immerhin rund 44 Mrd. Euro zum Vermögenszuwachs bei. Daneben hat vor allem der anhaltende Sparfleiß der Bürger für den Vermögensaufbau gesorgt. Unterstützt von einer guten Einkommensentwicklung dürfte die Sparquote von 9,7 auf 9,8 Prozent in 2016 gestiegen sein.

Auch wenn sich die privaten Haushalte in ihren Sparbemühungen nicht durch das schlechte Zinsumfeld beirren lassen, haben die extrem niedrigen Zinsen doch starken Einfluss auf deren Anlageverhalten. So gewinnt die Sachvermögensbildung in Immobilien an Bedeutung. Auch 2016 setzten Privathaushalte verstärkt auf „Betongold“. Bei der Geldvermögensbildung der Bürger ist schon lange ein wachsender Geldanlagestau zu beobachten. Im internationalen Vergleich sind Deutsche eher risikoscheu. Aufgrund der niedrigen Zinsen sind Privathaushalte aber auch nicht bereit, sich langfristig festverzinslich zu binden. Daher wird ein immer größerer Teil der Anlagen in Sichteinlagen und anderen täglich fälligen Geldern gehalten. Inzwischen ist fast ein Viertel des gesamten Geldvermögens in täglich fälligen Mitteln zwischengeparkt. Im Gegenzug verlieren mittel- bis langfristige Einlagen und Rentenpapiere immer mehr an Gewicht.

Im neuen Jahr ändert sich wenig an den Rahmenbedingungen der Geldanlage. So kann für 2017 mit einem zwar abgeschwächten aber soliden Wirtschaftswachstum in Deutschland von 1,2 Prozent gerechnet werden. Die Inflation dürfte trotz eines Anstiegs auf rund eineinhalb Prozent im langfristigen Vergleich und im Hinblick auf das Inflationsziel der EZB noch gering ausfallen. Eine Herausforderung für die Geldanlage bleiben jedoch die sehr niedrigen Zinsen. Hierzu trägt die Verlängerung des Anleihen-Ankaufprogramms der EZB bei, so dass 2017 allenfalls mit einem schwachen Zinsanstieg gerechnet werden kann. Aufgrund der anhaltenden Konsumfreude der Bürger bei allmählich anziehenden Preisen ist in diesem Jahr kein weiterer Anstieg der Sparquote zu erwarten. Allerdings sollte ein größerer Anteil der Ersparnis in die Sachvermögensbildung fließen. Darauf deuten stark gestiegene Wohnungsbaugenehmigungen hin. Dafür dürfte die Geldvermögensbildung langsamer wachsen – um rund 1,5 Prozent auf 196 Mrd. Euro.

Für das Wachstum der Geldvermögensbestände herrschen damit ähnliche Bedingungen wie 2016: Eine nennenswerte Vermögensverzinsung findet kaum noch statt. Die Sparquote bleibt zwar stabil, allerdings fließt die Ersparnis verstärkt in Immobilien. Wie stark sich der Geldvermögenszuwachs abbremst, hängt vor allem auch von der Wertentwicklung der Aktien ab. Trotz Unsicherheiten kann man hier mit Blick auf die deutsche Konjunktur verhalten optimistisch sein. Insgesamt rechnen wir mit einem weiter abgeschwächten Wachstum der privaten Geldvermögensbestände von 3,8 Prozent auf knapp 6,0 Billionen Euro bis Ende 2017.

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2 Kommentare

Interessanter Artikel! Solche Hochrechnungen sind für uns immer interessant.

Kurze Nachfrage zu den Zahlen: Die Bundesbank beziffert das Geldvermögen der privaten Haushalte Ende 2015 auf 5340 Mrd. Euro. Sie haben offenkundig höhere Zahlen: Rechnen Sie auch noch die privaten Organisationen ohne Erwerbszweck hinzu? Oder nutzen Sie eine andere Quelle?

Danke für die Klärung!

Sehr geehrter Herr Dr. Holzhausen,

vielen Dank für Ihren Kommentar zu Bielmeiers Blog. Sie haben Recht mit Ihrer Vermutung:
Wir grenzen die privaten Haushalte einschließlich Organisationen ohne Erwerbszweck ab.
Hier bezifferte die Bundesbank das Geldvermögen Ende 2015 auf 5.503,2 Mrd. Euro. Unter
Berücksichtigung der bisher vorliegenden Zahlen für den Jahresverlauf 2016 sowie der
Kursentwicklung an den Wertpapiermärkten schätzen wir den Vermögenszuwachs bis
Ende 2016 auf 4,1 Prozent (ca. 5.730 Mrd. Euro).

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