Die Wende für Präsident Trump!

Gewinne in Corporate America ziehen nach drei Jahren der Stagnation an – Wir erwarten 2017/18 je 12% Gewinnanstieg

Die „Trump“-Rallye ist weit fortgeschritten. Der S&P 500 ist seit dem Wahltag im November um acht Prozent gestiegen (DAX plus elf Prozent). Die Rallye wurde dabei maßgeblich von der Erholung bei Finanz-, Energie- und Industriewerten getragen. In diesen Sektoren haben sich die Fundamentaldaten deutlich gebessert, so dass der Anstieg zwischenzeitlich gerechtfertigt erscheint. So profitieren die (US-) Finanzwerte vom deutlichen Renditeanstieg in den USA (+60 Basispunkte bei zehnjährigen US-Treasuries seit November), während die Energietitel dank des stark gestiegenen Ölpreis (über 25% seit Trump-Wahl) ebenfalls wieder höhere Gewinne ausweisen werden. Weil die Geschäfte auch im dritten US-Schlüsselsektor (Technologie) unverändert gut laufen, wird die Amtszeit Trump mit deutlich steigenden Gewinnen seitens der US-Konzerne beginnen.

Nach drei Jahren mit stagnierenden Unternehmensgewinnen erwarten wir, dass die Gewinndynamik beim S&P 500 in den Jahren 2017 und 2018 signifikant anziehen wird. Dies ist maßgeblich bedingt durch die Erholung des Ölpreises während der vergangen Quartale, auch wenn dies bald in Vergessenheit geraten dürfte. Wir gehen davon aus, dass die US-Unternehmen in diesem Jahr ein Gewinnplus von zwölf Prozent ausweisen werden. Bereits für das abgelaufene 4. Quartal, über das die US-Gesellschaften in gut zwei Wochen (Aloca startet am 24. Januar) erstmalig berichten werden, rechnen wir mit einem Gewinnplus von acht Prozent. Im laufenden 1. Quartal dürfte sich die Gewinndynamik dann bereits auf 13% Zuwachs beschleunigen. Diese Entwicklung sollte auch in den Folgequartalen Bestand haben. Ein zusätzlicher Turbo kommt 2018 ins Spiel. Dann wird der überwiegende Teil der von Trump geplanten Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen zünden und das US-Wirtschaftswachstum auf 2,8% ansteigen lassen. Wir denken, dass dieses positive Szenario noch nicht vollständig in den Analystenschätzungen 2018 berücksichtigt wurde.

Einen deutlichen Gewinnzuwachs hat der US-Aktienmarkt dringend nötig. Schließlich fällt die Bewertung des wichtigsten Aktienmarktes der Welt sehr hoch aus. Der S&P 500 weist ein Kurs-Gewinnverhältnis 2017e vom 17,2 auf. Dies sind 18% mehr als im Mittel der vergangenen zehn Jahre. Auch im relativen Vergleich zum Anleihemarkt verlieren US-Aktien an Attraktivität: Die Gewinnrendite (inverses KGV von 17,2, also 5,8%) bei US-Dividendenpapieren liegt nur noch 3,4 Prozentpunkte über der Rendite zehnjähriger Treasuries. Dies entspricht dem tiefsten Stand seit mehreren Jahren. Auch die Dividendenrendite des S&P 500 (2,1%) fällt geringer aus als die Rendite zehnjähriger Anleihen (2,4%).

Während Barack Obama im Frühjahr 2009 seine Präsidentschaft im schwächsten Aktienmarktumfeld seit dem Crash 1973/74 antreten musste, wird Präsident Trump also deutlichen Rückenwind seitens der Gewinnentwicklung amerikanischer Unternehmen bekommen. Dies ist nicht sein Verdienst, sondern maßgeblich eine Folge anziehender Rohstoffpreise und Zinsen.

Wir gehen in unserer Verlaufsprognose davon aus, dass ein Großteil der Kursgewinne am Aktienmarkt 2017 bereits im Frühjahr erzielt wird. Bereits ab dem 20. Januar, wenn die neue US-Regierung ihr Amt antritt, könnte es am US-Markt zu weiteren Kursgewinnen kommen. Die Stimmungsindikatoren zeigen an, dass sich in den vergangenen Wochen ein Großteil der Euphorie zurückgebildet hat, so dass die Aktienmärkte zunächst wieder Platz für weitere Kursavancen haben.

Wir empfehlen ob des hohen Momentums am US-Aktienmarkt engagiert zu bleiben. Eine Absicherung gegen überraschende (Twitter-)Momente erscheint jedoch sinnvoll, schließlich sind die potenziell bedrohlichen Themen (Chinapolitik, Nordkorea, Protektionismus etc.) ungeklärt.

Politisch induzierte Aufschwünge am Aktienmarkt sind selten nachhaltig. Sobald sich die positiven Erwartungen rund um den Amtsantritt Donald Trumps legen und der Alltag in den Politikbetrieb Einzug hält, dürfte sich der US-Aktienmarkt wieder verhaltener entwickeln. Sollten währenddessen die Unternehmensgewinne tatsächlich deutlich steigen, würde sich die hohe Bewertung von S&P 500 & Co. relativieren.

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