Chinas 3-Bio-USD-Frage

Alle Jahre wieder: Kaum sind die Weihnachtstage vorüber, der Silvester-Kater auskuriert und die ersten Vorsätze fürs neue Jahr über den Haufen geworfen, macht China mit besorgniserregenden Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Im Vergleich zur Weltuntergangsstimmung vom Januar 2016 ist die aktuelle Verunsicherung aber nicht mehr als ein Sturm im Wasserglas. Statt der globalen Implikationen einer harten konjunkturellen Landung in China gelten die Sorgen derzeit eher dem geringen Erfolg im unermüdlichen Kampf gegen den Kapitalabfluss. Die jüngsten Reservedaten vom Monat Dezember streuen auch in diesem Jahr wieder Salz in die Wunden und bringen Chinas Interventionspolitik auf die internationale Bühne. Auch wenn das Unterschreiten der psychologisch so wichtigen Marke von 3000 Mrd. USD gerade noch vermieden wurde, stellt sich die Frage, wie weit Chinas Reserven noch fallen können, bevor es brenzlig wird.

Der ARA-Ansatz („Assessing Reserve Adequacy“) ist eine Weiterentwicklung traditioneller Indikatoren, wie der Importdeckung oder dem Verhältnis von Reserven zu kurzfristigen Schulden, und berücksichtigt weitere Kennziffern, die die Gefahr von Kapitalflucht und ausländischen Portfolioumschichtungen abbilden. Die daraus abzuleitende Höhe der empfohlenen Reservehaltung ist keinesfalls ein fester Schwellenwert im Stile der Maastricht-Kriterien. Weder kommen alle Studien zu demselben optimalen Wert noch hätte ein Sinken unter den empfohlenen Wert konkrete Sanktionen zur Folge. Eine erhebliche Rolle könnte der ARA-Methodik aber zukommen, sobald sich die Finanzmärkte zusätzlich zu den bekannten Sorgen um China (US-Handelspolitik, Kapitalflucht, Verschuldung der Unternehmen,…) auch noch auf die Reservehaltung als Problem einschießen.

Aktuell befinden sich Chinas Reserven noch komfortabel sogar oberhalb der empfohlenen Spanne von 1850 bis 2770 Mrd. USD. Sollte sich der Reserveabbau mit der Dynamik der letzten drei Monate fortsetzen, wären wir Ende 2018 an der Schmerzgrenze angelangt. Dass das einst so komfortable Reservepolster zusehends schwindet, lässt sich auch mit der geschicktesten Zahlen-Akrobatik nicht vertuschen. Bereits heute hätte China gemäß ARA-Ansatz kaum noch genug Reserven, um sämtliche Kapitalverkehrskontrollen abzubauen und dennoch den Wechselkurs weiter mit Interventionen steuern zu können.

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