Italien: Abstieg aus „Serie A“

Die kanadische Ratingagentur DBRS hat am Freitag bekannt gegeben, dass sie das Rating von Italien von A (low) auf BBB (high), Ausblick stabil herabgesetzt hat. Die erste Marktreaktion zeigt heute Morgen eine gewisse Schwäche italienischer Anleihen, aber auch anderer Peripherietitel, da die Ratingänderung durch DBRS nicht von allen Marktteilnehmern so erwartet wurde.

DBRS begründet den Schritt zum einen mit wachsenden Zweifeln, ob es Italien nach der gescheiterten Senatsreform gelingen werde, weiterhin strukturelle Reformen voranzutreiben. Zwar werde die neue Übergangsregierung von den Koalitionsparteien zu einem gewissen Grad unterstützt, die Wahrscheinlichkeit vorzeitiger Neuwahlen sei aber hoch und nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts zum Wahlrecht, das ab Ende Januar erwartet werde, könnte der Fokus der Parteien primär auf Wahlkampf ausgerichtet sein. Der eigentliche Neuwahltermin könne sich, so DBRS, aber bis in den Herbst dieses Jahres hinziehen.

Zum anderen nennt die DBRS die Schwäche des italienischen Bankensektors aufgrund des hohen Anteils notleidender Kredite infolge des über Jahre andauernden geringen Wirtschaftswachstums. Zwar sei das staatliche Hilfspaket für Banken im Umfang von 20 Mrd. Euro ein guter Start gewesen, das Programm reiche aber weder aus, die Anfälligkeit des Bankensektors noch das Problem der notleidenden Kredite nachhaltig zu beheben.

Die Agentur verweist neben den Hauptauslösern der Entscheidung auch auf Italiens anhaltend geringes Wachstum und die hohe Staatsverschuldung hin. Ein weiterer negativer Ratingtrend sei außerdem möglich, wenn entweder die Sparneigung des Staates weiter zurückginge oder sich die Wachstumsaussichten eintrübten und so die Abwärtskonsolidierung der Staatsverschuldung in Gefahr gerate.

Die Herabstufung Italiens durch DBRS ist keine Überraschung. Bereits im Sommer 2016 hatte die Agentur das Land mit dem Ratingzusatz „watch negative“ versehen und sich außerdem nach der gescheiterten Senatsreform kritisch geäußert. Mit der Entscheidung verliert Italien sein letztes A-Rating, was auch einer Zäsur gleichkommt. Nicht nur ist ein großes EWU-Land erstmals endgültig in Sachen Bonität nur noch Mittelmaß, die Herabstufung wird auch für italienische Banken Folgen haben, da die Bewertungsabschläge von italienischen Staatsanleihen steigen, wenn sie als Sicherheiten im Gegenzug für EZB-Liquidität hinterlegt werden.

Italiens weitere Ratingentwicklung dürfte stark von den wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in diesem Jahr abhängen. Während die Erwartungen an tiefgreifende Reformen nach dem Negativvotum der Italiener zur Senatsreform bereits gesunken sind, dürfte vor allem die Entwicklung der Staatsfinanzen in Zentrum der Aufmerksamkeit von Anlegern und Ratingagenturen stehen. Gegenwärtig deutet sich ein ungünstiger Trend an, nachdem die Renzi-Regierung noch Steuersenkungen für 2017 auf den Weg brachte, während die Bankenhilfe zu einem Anstieg der Staatsverschuldung führt. Dass die steuerliche Entlastung, die 2018 noch einmal steigen soll, einen nachhaltigen konjunkturellen Impuls auslöst, zeichnet sich indes nicht ab.

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