Kreditvergabe: Banken vorsichtiger bei Firmenkrediten

Der Januar-Umfrage des Bank Lending Survey (BLS) zufolge haben die befragten Geldinstitute ihre Richtlinien zur Vergabe von Unternehmenskrediten im vierten Quartal des vergangenen Jahres verschärft. Dies ist die erste Netto-Verschärfung seit dem vierten Quartal 2013. Der Nettosaldo der befragten Banken lag bei 3% (Vorquartal 0%). Dieser Saldo ergibt sich aus der Differenz zwischen dem prozentualen Anteil der Banken, welche eine Straffung der Kreditvergabebedingungen gemeldet und demjenigen Anteil an Banken, welche über eine Lockerung der Vergabebedingungen berichtet haben. Ein positiver Wert bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein größerer Anteil der Banken die Richtlinien verschärft hat. Eine abnehmende Risikobereitschaft der Geldinstitute, sei dem BLS zufolge Ursache für die Verschärfung der Kreditvergabebedingungen für Unternehmenskredite.

Die Kreditvergabestandards für Immobilienkredite an private Haushalte blieben weitestgehend unverändert. Der Nettosaldo der befragten Banken lag in diesem Bereich bei 1% im Vergleich zu -4% im Vorquartal.

Für das erste Quartal 2017 erwarten die befragten Geldinstitute eine Lockerung der Kreditvergabestandards über alle Kreditkategorien hinweg. Der nächste BLS wird voraussichtlich im April dieses Jahres veröffentlicht.

Dem BLS zufolge ist die Nachfrage nach Krediten zuletzt weiter angestiegen. Das derzeitige Niedrigzinsumfeld, die gestiegene M&A-Aktivität und der allgemeine Refinanzierungsbedarf seien die treibenden Faktoren für die Nachfrage nach Unternehmenskrediten im vierten Quartal 2016 gewesen. Die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen wurde nach Erkenntnis der Notenbank unter anderem durch die hohe Konsumentenzufriedenheit und das günstige Zinsniveau gestützt.
Im Zusammenhang mit den Targeted Longer-Term Refinancing Operations (TLTROs) hat die EZB festgestellt, dass 37% der an der BLS-Umfrage teilnehmenden Banken am dritten TLTRO II teilgenommen haben (139 Banken haben am Januar-BLS teilgenommen). Im Zuge der Umfrageerhebung haben die Geschäftsbanken signalisiert, dass die TLTRO II Operationen dazu beigetragen haben, die Kreditkonditionen zu lockern.

Draghi dürfte das Ergebnis des jüngsten BLS erfreut zur Kenntnis nehmen und als Beleg dafür sehen, dass die bisherigen EZB-Maßnahmen der Notenbank allmählich Wirkung zeigen. Dennoch dürfte der EZB-Chef zur Zinssitzung am Donnerstag hervorheben, dass er weiterhin eine Fortführung der expansiven Geldpolitik für notwendig erachtet. Trotz des jüngsten Anstiegs der Inflationsrate im Euroraum sieht sich die EZB im Hinblick auf die Erreichung ihres Inflationsziels von unter aber nahe bei zwei Prozent noch für längere Zeit nicht am Ziel. Vor diesem Hintergrund rechnen wir auf absehbare Zeit nicht mit einer Abkehr der Notenbank von ihrem momentan eingeschlagenen geldpolitischen Kurs.

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