EZB: Notenbankchef weist Kritik am eingeschlagenen geldpolitischen Kurs zurück

Draghi hat die heutige Zinssitzung vor allem dazu genutzt zu verdeutlichen, dass sich die Notenbank noch für längere Zeit nicht am Ziel ihrer Bemühungen sieht. In diesem Zusammenhang hat Draghi auch nochmals hervorgehoben, dass das Kaufprogramm ausgeweitet werden könnte, sollte dies notwendig werden. Damit ist der EZB-Chef der zuletzt insbesondere von deutscher Seite geäußerten Kritik am geldpolitischen Kurs der Notenbank entschlossen entgegengetreten. Darüber hinaus haben die EZB-Oberen im Rahmen der heutigen Sitzung keine neuen geldpolitischen Beschlüsse gefasst. Die Notenbank hat lediglich im Anschluss an die Pressekonferenz Informationen darüber veröffentlicht, wie sie zukünftig PSPP-Käufe von Anleihen mit einer Rendite unterhalb des Einlagensatzes abwickeln möchte.

Den jüngsten Anstieg der Inflationsrate sieht der Notenbankchef vor allem als Folge eines auslaufenden Basiseffektes von Seiten der Energiepreise. Der grundlegende Preisdruck in der europäischen Wirtschaft sei nach wie vor vergleichsweise gering ausgeprägt. Es gebe weiterhin keinen überzeugenden Aufwärtstrend bei der Teuerungsentwicklung. Zwar sei mit Blick auf die kommenden Monate höhere Teuerungsrate nicht auszuschließen, doch werde die Notenbank durch diese temporären Anstieg hindurch schauen. Damit hat sich unsere Einschätzung bestätigt, wonach die Notenbank trotz der jüngst überraschend höheren Teuerungsrate bis auf weiteres an ihrem expansiven geldpolitischen Kurs festhalten wird. Zur dovishen Grundstimmung dieser Sitzung hat zudem beigetragen, dass Draghi wiederholt hervorgehoben hat, dass über eine mögliche Verringerung der Anleihekäufe im Zuge dieser geldpolitischen Beratungen nicht gesprochen wurde. Es sei zu früh, um eine mögliche Anpassungen des Anleiheankaufprogrammes zu beraten.

Auch wenn Draghi die Märkte heute von der dovishen Strategie der Notenbank überzeugen konnte, dürfte die Diskussion über eine Verminderung der Anleihekäufe (Tapering) nur temporär in den Hintergrund rücken. Mit einem weiteren Anstieg der Teuerungsrate dürfte die Debatte wieder hitziger geführt werden. In diesem Zusammenhang wird Draghi das Mantra der verhaltenen Inflationsdynamik (Kernrate) und potenziellen konjunkturellen Abwärtsrisiken wiederholen. Neue geldpolitische Maßnahmen sind mit Blick auf die nächsten Zinssitzungen nicht zu erwarten. Dementsprechend wird die EZB in den kommenden Monaten wohl einen geringeren Marktimpuls ausüben – ein Zustand an den man sich gewöhnen muss.

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