Langfristige Perspektiven für Gold

Die historischen Preismuster bei Gold zeigen, dass sich der Preis langfristig hauptsächlich an den ökonomischen Bedingungen in den USA orientiert. In der Rückschau stechen mit der (a) Zins-, (b) Inflations- und (c) US-Dollar-Entwicklung insbesondere drei Preistreiber hervor. Gold fungiert aber immer auch als Angstbarometer. Die letzte Aufwärtsbewegung, die bis 2013 andauerte, wurde sowohl durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise als auch die europäische Schuldenkrise begünstigt.

In unserem Basisszenario (Gewichtung: 60%) gehen wir davon aus, dass sich die US-Konjunktur über die nächsten Jahre bei einem moderaten Inflationsniveau robust entwickeln wird („Goldilocks-Bedingungen“). Damit wird bei einer fortschreitenden Zinsnormalisierung auch das Realzinsniveau steigen. Dies wirkte sich historisch stets negativ auf den Goldpreis aus. Aber auch in Europa steht die Zinswende unseres Erachtens bevor, was zunehmend eine Debatte über die Opportunitätskosten des Goldbesitzes auslösen dürfte. Darüber hinaus unterstellen wir, dass es in den nächsten Jahren nicht zu ähnlichen systemischen Unsicherheiten kommen wird, wie das während der Finanzkrise oder der europäischen Schuldenkrise der Fall war. Dafür sprechen unseres Erachtens die guten globalen Konjunkturperspektiven als auch die Handlungsfähigkeit und -bereitschaft der Zentralbanken. Unserem Basisszenario folgend, wird der Goldpreis über die nächsten drei Jahre auf 1.000 USD fallen.

Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass Trump durch den übermäßigen Einsatz von fiskalpolitischen Maßnahmen die Wirtschaft zum Überhitzen bringt. Das Inflationsniveau dürfte dann stärker steigen als in unserem Basisszenario veranschlagt. Vor diesem Hintergrund (fallende Realzinsen) könnte Gold zunächst profitieren, allerdings zöge ein höheres Inflationsniveau perspektivisch auch eine restriktivere Gangart der Fed nach sich, was die Goldphantasie wieder limitieren sollte. Aus unserem Alternativszenario (20%) leiten wir einen Goldpreis von 1.200 USD ab.

Ob der vielfältigen politischen Risiken haben wir auch ein Risikoszenario (20%) entwickelt. Sollten beispielsweise die populistischen (Europa-kritischen) Parteien deutlich an Einfluss gewinnen, dürfte zunehmend über die Zukunftsfähigkeit der EU diskutiert werden. Dies würde negativ auf die entsprechende konjunkturelle Entwicklung wirken und solchermaßen die Zinsnormalisierung verlangsamen. Darüber hinaus existieren weltweit auch geostrategische Risiken. So bergen die Verhaltensweisen der politischen Eliten in der Türkei und Russland Unsicherheiten. Auch die verbalen Äußerungen Trumps enthalten einen gewissen außen- und handelspolitischen Sprengstoff. In unserem Risikoszenario ist ein Goldpreis von 1.700 USD möglich.

Zusammengefasst lässt sich unter Berücksichtigung der jeweiligen Gewichtungen ein Erwartungswert von 1.180 USD ableiten. Daher sehen wir für den Anleger keine Notwendigkeit, mit Blick auf die nächsten drei Jahre Gold zu kaufen. Sollten Anleger aber ob der vorhandenen Risiken den Absicherungscharakter des Goldes stärker suchen und individuell andere Gewichtungen wählen (z.B. höhere Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikoszenarios), kann Gold als Portfoliobeimischung sinnvoll sein.

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