US-Wirtschaft: Außenhandel bremst sichtbar, aber Investitionen retten das Quartalsergebnis

Im vierten Quartal hat sich das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten im Vergleich zum Vorquartal sichtbar verlangsamt. Nachdem im dritten Quartal immerhin ein auf das Jahr hoch gerechnetes kräftiges Wachstum von 3,5 Prozent verzeichnet wurde, steht für das Schlussquartal bei der gesamtwirtschaftlichen Wirtschaftsleistung nur ein Zuwachs von 1,9 Prozent zu Buche. Ein deutliches Minus lieferte die Außenwirtschaft, da rückläufigen Exporten kräftig gesteigerte Importe gegenüber standen. Dieser Effekt reduzierte das Wachstum immerhin um 1,7 Prozentpunkte und dürfte kaum für Freude beim neuen US-Präsidenten sorgen. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass es im dritten Quartal durch Ernteausfälle im Ausland zu einem sehr starken Export von Sojabohnen gekommen war. Der private Konsum ist hingegen zwar mit einem positiven Schub in Höhe von 1,7 Prozentpunkten letztendlich seiner Rolle als Wachstumsgarant gerecht geworden, der Schwung blieb aber hinter den beiden Vorquartalen zurück.

Quasi in die Bresche gesprungen sind die Investitionen. Mit einem positiven Beitrag ebenfalls in Höhe von 1,7 Prozentpunkten wurde im Grunde der Stillstand der US-Wirtschaft verhindert. Das geringfügige Plus von staatlicher Seite hätte hierfür längst nicht gereicht. Der sichtbare Anstieg bei den Investitionen ist umso positiver zu bewerten, da die Investitionen in Ausrüstungen und Maschinen erstmals seit vier Quartalen das Wachstum stützten. Für einen nahezu gleichermaßen starken Impuls sorgte der Wohnungsbau, nachdem sich dieser in den beiden vorangegangenen Quartalen überraschend schwach gezeigt hatte.

Unterm Strich bildet die Wachstumsrate des Schlussquartals, bei der noch nicht einmal eine Zwei vor dem Komma steht, wesentlich treffender das abgelaufene Jahr ab, als das kräftige dritte Quartal. Denn wegen einer sehr schwachen ersten Jahreshälfte zeigen die heute veröffentlichten Zahlen für die US-Wirtschaft für 2016 nur eine schwache Steigerung um 1,6 Prozent. Dies ist der schwächste Zuwachs seit fünf Jahren.

Wie geht es nun weiter? Wird die Volkswirtschaft, die immerhin ein Fünftel der Weltwirtschaftsleistung ausmacht, auch in diesem Jahr nur Wachstumsraten liefern, die man eigentlich eher aus „Old Europe“ kennt? Die gute Stimmungslage bei den Konsumenten und in der Wirtschaft spricht nach unserer Einschätzung gegen diese Befürchtung. Darüber hinaus sollten die gute Lage am Arbeitsmarkt und das unverändert sehr niedrige Zinsniveau dafür sorgen, dass insgesamt in diesem Jahr das Wirtschaftswachstum wieder oberhalb von zwei Prozent liegt. Von dem kräftigen Wachstum in Höhe von rund vier Prozent, das sich Donald Trump auf die Fahne geschrieben hat, bleiben wir allerdings noch weit entfernt. Die angekündigten, vermeintlichen Ausgabenprogrammen und Steuersenkungen dürften frühestens in der zweiten Jahreshälfte einen Schub für die Konjunktur liefern. In diesem Umfeld dürfte die amerikanische Notenbank auch in diesem Jahr ihren sehr besonnenen Kurs beibehalten und das Wachstum weiter stützen.

 

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